„Wanna Cry“
Vorsichtige Entwarnung nach globaler Cyberattacke

Nach der globalen Cyberattacke war die Angst vor einer zweiten Angriffswelle groß. Doch Europol konnte am Montag eine vorsichtige Entwarnung geben. Noch immer ist allerdings unklar, wer hinter dem Angriff steckt.
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Den HaagNach der globalen Cyber-Attacke hat die europäische Polizeibehörde Europol vorsichtig Entwarnung gegeben. Es habe in Europa offenbar keine neuen infizierten Computer gegeben, sagte ein Sprecher am Montag in Den Haag der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Bundesregierung erklärte, dass sich die Befürchtungen einer zweiten Angriffswelle bislang nicht bestätigt hätten. Der Angriff sei im Wesentlichen gestoppt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. „Regierungsnetze sind nach wie vor nicht betroffen.“

Auch Großbritannien, wo die Kriminellen mehrere Krankenhäuser teilweise lahmgelegt hatten, blieb am Montag von einer zweiten Attacke verschont. Europol hatte vor einem Chaos zu Wochenbeginn gewarnt, wenn viele Nutzer nach zwei freien Tagen ihren Computer wieder einschalteten. „Dazu kam es zum Glück nicht“, sagte der Sprecher.

Die Bedrohung sei jedoch noch nicht vorbei, sagte Monika Schaufler vom IT-Sicherheitsunternehmen Proofpoint. Zwei Mitarbeiter des Unternehmens hatten gemeinsam mit einem britischen IT-Forscher mit Hilfe eines Tricks am Wochenende die weitere Ausbreitung der Erpressungssoftware vorerst gestoppt. „Seit gestern sind zwei neue Varianten der Wanna-Cry-Ransomware im Umlauf“, sagte Schaufler. Allerdings seien die Varianten fehlerhaft und könnten daher keinen großen Schaden anrichten. Es sei aber von großer Bedeutung, dass alle Anwender ihre Systeme auf dem neuesten Stand halten.

Weiterhin unklar blieb, wer hinter dem weltweiten Angriff steht. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. In Deutschland ist das Bundeskriminalamt mit der Aufklärung beschäftigt.

Die Erpressungssoftware „Wanna Cry“ hatte am Freitag nach Angaben von Europol mindestens 150 Länder sowie 200.000 Organisationen und Personen getroffen. In China waren es 30.000 Opfer – rund 200.000 Computer wurden dort attackiert. Mehr als 20.000 Tankstellen des chinesischen Öl-Giganten CNPC gingen demnach offline.

Entwarnung gab es in den USA. Die Situation sei derzeit unter Kontrolle, dennoch handele es sich um eine äußerst ernstzunehmende Bedrohung, sagte der Heimatschutzberater von Präsident Donald Trump, Tom Bossert, dem Sender ABC News. Die Attacke zeige, dass Regierungen weltweit dringend ein gemeinsames Vorgehen für solche Fälle abstimmen müssten. Der russische Präsident Wladimir Putin schlug derweil den USA erneut ein Abkommen über Cybersicherheit vor. Im vergangenen Jahr habe Washington die Idee leider nicht aufgegriffen, sagte Putin auf einem Gipfel in China.

Die Erpressungssoftware „Wanna Cry“ hatte auf den infizierten Rechnern alle Daten verschlüsselt. Sie sollten erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder entsperrt werden. Europol warnte davor, auf die Forderungen einzugehen, da es keine Garantie auf die Freigabe der Daten gebe. Nur wenige Opfer hätten bezahlt. Derweil soll sich die Lösegeldforderung von vormals 300 US-Dollar am Montag auf 600 US-Dollar verdoppelt haben.

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