Weltweite Wachstumsdynamik lässt nach - Europa hat Nachholbedarf
Umsatz mit ausgelagerten Diensten wächst langsamer

2 500 Quadratmeter für Outsourcing - erstmals widmet die Computermesse Cebit der Auslagerung von IT-Dienstleistungen eine eigene Halle. Fast schon etwas spät, so scheint es. Denn die Outsourcing-Euphorie ist schon wieder vorbei; Meldungen über Misserfolge häufen sich, das Geschäft wächst nicht mehr so stark wie früher. Dennoch sind sich die Experten einig: Outsourcing wird ein großes Geschäft bleiben. Allerdings werden die Kunden kritischer.

HB HANNOVER. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Beratungsunternehmens Technology Partners International (TPI) weltweit Outsourcing-Aufträge mit einem Volumen von 72 Mrd. Dollar unterzeichnet. Doch so eindrucksvoll diese Zahl ist, es ist nur ein marginaler Zuwachs gegenüber dem Vorjahreswert von 71,2 Mrd. Dollar. "Ursache sind die sinkenden Einnahmen der großen amerikanischen Outsourcing-Dienstleister", sagt Duncan Aitchison, Managing Director von TPI.

Es ist vor allem Europa zu verdanken, dass nicht ein Minus in den Statistiken zu finden ist. Hier standen die Firmen der Auslagerung von IT-Leistungen lange Zeit skeptisch gegenüber, entsprechend groß ist der Nachholbedarf. Besonders erfreulich: "Der Marktanteil von Deutschland am weltweiten Outsourcing-Geschäft ist von 2001 bis 2004 von einem Prozent auf 12,5 Prozent gewachsen", sagt Aitchison. Vor allem die Zahl der Mega-Deals - Projekte mit einem Volumen ab einer Mrd. Dollar - habe in Europa im vergangenen Jahr kräftig zugelegt.

Outsourcing hat also noch ein großes Potenzial in Europa. Gleichwohl wird das Geschäft für die Dienstleister schwieriger. Die Auftraggeber schauen sehr genau hin. Zwar sind die Ersparnisse immer noch die treibende Kraft für Outsourcing. Doch die Strategen in den Firmen prüfen Alternativen intensiver als noch vor einigen Jahren.

"Die Teilnehmer haben verstanden, dass IT-Outsourcing eine der möglichen Lösungen darstellt, jedoch nicht die einzige Lösung für alle ihre Probleme", sagt Burkhard Wagner vom Beratungsunternehmen Diamondcluster, und ergänzt: "IT-Outsourcing ist ein reifes Geschäftsmodell und wird als ein mögliches Tool im Arsenal des IT-Chefs verstanden."

Die Folge ist das selektive Outsourcing. Große Outsourcing-Projekte werden nicht mehr an einen Dienstleister gegeben, sondern auf mehrere Anbieter verteilt. "Die Unternehmen wollen lieber mit einer ausgesuchten Anzahl von Anbietern als mit einem Vollsortimenter zusammenarbeiten", sagt Wagner von Diamondcluster.

Einer Studie der Marktforscher von IDC zu Folge stehen zwar rund 75 Prozent der 300 in aller Welt befragten Unternehmen dem IT-Outsourcing positiv gegenüber. Sie würden aber in keinem Fall die gesamte IT auslagern. 72 Prozent der Befragten gaben an, selektive Bereiche wie die Netzwerke oder die Kommunikationsinfrastruktur an externe Dienstleister abgeben zu wollen.

Das trifft die großen IT-Dienstleister, die den Firmen am liebsten alles abnehmen würden. Nach Angaben von TPI sank der Marktanteil der so genannten Big Six - CSC, IBM, EDS, Hewlett-Packard, Accenture und ACS - 2004 im Vergleich zum Vorjahr von 71 Prozent auf 44 Prozent. "Die großen Anbieter leiden unter der wachsenden Konkurrenz von kleineren, nationalen Anbietern. Dies gilt vor allem für Europa", sagt TPI-Berater Aitchison. Europäischen Dienstleistern gelänge es oft besser als den Riesen, die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse der europäischen Kunden zu erkennen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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