Werbung 2.0
Werbewirtschaft drängt in Internet-Communitys

Web-2.0-Plattformen wie Myspace und andere sogenannte „Social Networks“ sind längst in aller Munde. Das Startup Slice.com will diese Communitys nun auch für die Werbewirtschaft erschließen – mit einer verrückt klingenden Idee: Die Werbung soll nur freiwillig eingeblendet werden.

HB SAN FRANCISCO. Max Levchin hat offenbar ein gutes Händchen, um im Internet Geld zu machen. Erst wirkte er bei der Gründung des Online-Zahlungsdienstes Paypal mit, das in diesem Jahr Transaktionen von voraussichtlich mehr als 40 Milliarden Dollar abwickeln wird. Nun will er den Boom von Internet-Communites wie Myspace oder Facebook für die Online-Werbung nutzen.

Bestätigt fühlt sich der 32-Jährige vom Erfolg seiner jüngsten Startup-Firma, der Anfang 2005 gegründeten Slide Inc. Bei slide.com kann man Widgets, also kleine Anwendungen fürs Internet, in die persönlichen Webseiten bei Myspace oder anderen „Social Networks“ einbauen. Das kann etwa eine kleine Diashow, ein Gästebuch oder ein tägliches Horoskop sein. In kurzer Zeit hat sich Slide als Marktführer bei solchen Widgets etabliert, und deswegen soll jetzt auch richtig Geld fließen - über die in dieser Woche gestartete Werbung, die in die Widgets eingefügt wird.

Levchin ist sich bewusst, dass viele User ihre persönlich gestaltete Seite nicht als Reklametafel missbrauchen lassen wollen. Deswegen soll es eine freiwillige Entscheidung sein, die Werbung bei den Slide-Widgets einzuschalten. Levchin und seine Anzeigenchefin Sonya Chowla bauen darauf, dass eine ausreichend große Zahl von Nutzern dazu bereit sein wird. Schließlich, so machen sie geltend, laufen auch zahllose Verbraucher freiwillig als Werbeträger herum, wenn sie T-Shirts von Nike oder Coca-Cola tragen.

„Wir sind ziemlich gut darin, die Leute dazu zu bringen, alle möglichen Dinge auf ihre Social-Networking-Seiten zu packen“, sagt Chowla. „Wir denken, dass wir unsere User auch davon überzeugen können, Botschafter für bestimmte Marken zu werden.“ Auch die Geschäftsführerin der Werbeagentur Mindshare, Lisa Weinstein, hält die Idee nicht für abwegig. Schließlich komme es auch immer wieder vor, dass jemand Freunde und Bekannte auf einen witzig gemachten Werbefilm bei Youtube hinweise. Bei Widgets auf einer Community-Seite müsse die Werbung ebenfalls einen zusätzlichen Wert bieten und dürfe das Betrachten der Seite nicht stören. Zu den ersten Werbepartnern der Slide-Widgets gehören denn auch zwei Unternehmen aus der Film- und Fernsehbranche, Paramount Pictures und Discovery Channel.

Die Werbewirtschaft hofft, dass sie mit neuen Formen der Online-Werbung diejenigen jungen Verbraucher erreicht, die immer weniger Zeit vor dem Fernseher oder mit Printmedien verbringen. Myspace, das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. gehört, zählte im Juni nach einer Erhebung von Media Metrix 114 Millionen Besucher, 72 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei Facebook, das seine Wurzeln in der akademischen Welt hat, hat sich die Zahl der Besucher binnen Jahresfrist auf 52 Millionen mehr als verdreifacht.

Bei einem Erfolg des Werbemodells erwägt Levchin für das nächste Jahr einen Börsengang. „Bei Widgets geht es nicht nur um Spiel und Spaß“, sagt der Internet-Unternehmer, der nach dem Verkauf von Paypal an Ebay zum Multimillionär wurde. „Das ist für uns ein großer Schritt im Reifeprozess.“

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