Wikipedia-Gründer Wales
„Hollywood wird sterben“

Die Filmindustrie steht vor ihrem Untergang, glaubt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Grund seien aber nicht die illegalen Tauschbörsen im Netz, wie er auf dem Treffen der Internet Society in Genf erläuterte.
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GenfDer größte Feind von Hollywood ist nach Auffassung von Jimmy Wales nicht die im Internet verbreitete illegale Kopie. Die größten Feinde der Filmindustrie sitzen nach der Vorstellung des Mannes, der 2001 mit der Gründung freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia die Welt veränderte, in den Kinderzimmern dieser Welt. Auf dem Treffen der Internet Society in Genf führte der US-Unternehmer aus, wie er sich die Zukunft des Internets vorstellt.

„Oft werde ich gefragt, was das nächste große Ding ist“, sagte Wales  in Genf. „Wenn ich das wüsste, würde ich es bauen“. Dennoch habe er zwei Vorhersagen für das Netz der Zukunft. Eine einfache und eine mutige. Die simple Vorhersage sei das bevorstehende massive Wachstum des Internets in den Entwicklungsländern. „Zwei Milliarden Menschen sind online – der einfache Teil ist geschafft.“ In den kommen Jahren ginge es nun darum, auch noch die restliche Welt ans Internet anzubinden.

Die zweite, mutige, Vorhersage:  „Hollywood wird sterben und niemanden wird es kümmern“. Diese gewagte These leitet Jimmy Wales aus der Geschichte der Wikipedia ab. Sein erster Versuch, ein freies Lexikon im Internet aufzubauen, scheiterte. Wales versuchte damals mit einem Projekt namens  Nupedia das Wissen der Welt allen Internet-Nutzern zugänglich zu machen – und wählte dazu einen klassischen Ansatz mit Fachautoren. Doch das Konzept scheiterte, da der kleine Kreis an Fachautoren nicht mit den Redaktionen klassischer Lexikon-Verlage konkurrieren konnte.

Erst als Wales sich 2001 das Wiki-Konzept zunutze machte, änderte sich die Lage schlagartig. Wikis ermöglichen Internet-Nutzer nicht nur Inhalte zu lesen, sondern selbst welche zu schreiben. Aus der Nupedia wurde die Wikipedia – und das Konzept des gemeinsam erstellten Wissens wurde einer der größten Erfolge des Internets. Innerhalb weniger Jahre erschufen Freiwillige eine freie Wissensdatenbank im Internet, die so populär wurde, dass heute weder die traditionsreiche Encyclopaedia Britannica noch der Brockhaus in Buch-Läden erhältlich sind.

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Die Kids werden Anwendungen dafür finden

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  • Genau dieses Szenario ist der Hintergrund für dne Streit um das Urheberrecht.
    Es ist ein Machtkampf zentralisierter Organsiationen gegen das denzentrale Internet.
    Deshalb liegt die Macht zunehmend bei Infrastrukturunternehmen wie z.b. Google, die direkt oder indirekt die gleichwertigkeit von Informtionen in die eine oder andere Richtung beeinflussen können.
    Auch für diese Strukuren ist es bequemer mit Oligopolen und Monopolen zu arbeiten, so ähnlich wie heute für den Staat es leichter sit mit Konzernen Wirtschaftspolitik zu betreiben als mit der Masse der Kleinunternhemen.
    Die Herausforderung ist eine Demokratische. Und aus Gründen der Besitzstandswahrung droht es, diesen kampf zu verlieren.
    Letztlich muss zumindest für Europa die Frage gestellt werden, ob Unternehmen wie Google nicht staatlich sein müssen, eben weil sie Monopolisten ohne echte Konkurrenz sind.

    H.

  • Vorhersagen fuer die Zukunft basieren auf bisherigen Erfahrungen und sind so nix Wert. Das "Auto" und "der Computer" wurden bereits von den intelligentesten Leuten ihrer Zeit als nicht marktfaehig eingestuft und ohne Zukunft gesehen.

    Es kommt sowieso anders.

    Wer haette gedacht, dass ein massgeschneiderter Anzug heute einen Boom erfaehrt und der Beruf "Schneider", einer der aeltesten Berufe der Welt, deutlich mehr absetzt als noch vor 10 Jahren ?

    Wer haette gedacht, dass altmodische Kunst heute als das Anlageobjekt mit den besten Renditen gilt ?

    "Kostenpflichtige Internetinhalte" und "Solarstrom als Investment" galten vor ein paar Jahren als die Zukunft schlecht hin. Heute wissen wir, dass damit nix zu holen wr und ist.

    Fazit: Die Erfolgsgeschichte von wikipedia auf die Filmindustrie umzuschreiben ist schlicht weg dumm und anmassend.

  • Und genauso wird es aussehen. Das werden auch die Musikindustrie und die Verwertergesellschaften erst begreifen wenn sie das letzte Kiddie wegen einem mp3-download vor den Kadi gezerrt haben, und sich vom letzten Kindergarten werden bezahlen lassen. Die "alten Säcke" mit ihrem kulturellen Eigentumsvorbehalt werden sich wundern, wie stumpf die Waffen der Lobbyisten noch werden.

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