„Wir stehen kurz vor einer Epidemie“
Experte erwartet neue Spam-Welle

Auf E-Mail-Nutzer rollt nach Ansicht eines Experten eine neue Welle unerwünschter Werbung zu: Spam mit vorgelesenen Texten im MP3-Format. „Wir stehen kurz vor einer Epidemie“, sagte René Wienholtz, Vorstandsmitglied des Internet-Dienstleisters Strato AG, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

dpa BERLIN. Vor einer Woche erreichte erstmals digitaler Müll dieser Art die Postfächer - laut Wienholtz ein „Testballon“ der Spam-Versender. Denn sie verfügten über die technischen Möglichkeiten, deutlich größere Mengen zu verschicken.

Bei den bislang registrierten MP3-Dateien wirbt eine verzerrte, schwer verständliche Stimme für eine US-Firma. Ziel dieses sogenannten Aktien-Spams ist es, den Kurs der Wertpapiere eines Unternehmens in die Höhe zu treiben, um dann eigene Anteile mit Gewinn zu verkaufen. Wienholtz widersprach Experten, die der MP3-Werbung wegen der bislang schlechten Verständlichkeit keine Chance einräumen: „Die Spammer kennen sich mit der Technik aus - sie werden Wege finden, dass man den Text besser verstehen kann.“

Indem Spam-Versender jede Datei individuell verzerren, erschweren sie es den Mail-Anbietern (Provider), in den massenhaft versendeten Nachrichten Muster zu erkennen und die Filter darauf einzustellen. Dennoch hofft Wienholtz, dass die Postfächer seines Unternehmens sauber bleiben: „Wir haben eine Kombination von Filtern im Einsatz.“ Wie viel Spam letztlich im Postfach ankomme, hänge davon ab, wie gut der einzelne Provider filtere. Strato stelle die Infrastruktur für 3,5 Millionen Internet-Adressen (Domains) zur Verfügung. Auf den Rechnern des Unternehmens gehen den Angaben zufolge täglich zwischen 200 und 250 Mill. E-Mails ein, ein Großteil davon Spam.

Die Werbeflut schadet den Nutzern, denn die E-Mail-Anbieter investieren massiv in die Spam-Abwehr. „Der Kunde zahlt dafür rund 20 Prozent seiner Gebühren“, sagte Wienholtz. Wer ein Gratis-Postfach habe, müsse mehr Werbe-Einblendungen hinnehmen. Dieser Wert gilt nach Wienholtz“ Ansicht für die gesamte Branche. Bei Strato fielen etwa Ausgaben für Personal, Speicherplatz und Forschung an. Das Unternehmen kooperiert mit der Humboldt-Universität Berlin und dem Max-Planck-Institut.

Hoffnung auf weniger Spam dürften sich Nutzer nicht machen: Experte Wienholtz erwartet die nächste Werbewelle mit Video-Dateien. „In drei bis sechs Monaten starten die ersten Testläufe“, ist er überzeugt.

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