Auch kleinere Medizintechnik-Firmen setzen Standards
Mittelständler finden lukrative Nischen

„Zu DDR-Zeiten waren wir ein richtiger Gemischtwarenladen“, sagt Frank Orschler, Geschäftsführer der Königsee Implantate GmbH. Damals, als der Betrieb aus dem thüringischen Aschau noch Orthopädie Königsee hieß, verkaufte er Scheren, Rollstühle, Krücken und Krankenhausbetten.

HB DÜSSELDORF. Orschlers Vater baute 1993 die zum Teil übernommene Firma gründlich um – zu einen international anerkannten Spezialisten für Implantate. Heute beliefert das von sieben auf 80 Mitarbeiter gewachsene Familienunternehmen auch Krankenhäuser in Finnland, Spanien, Schweden, Ungarn und Ägypten. Schon ein Viertel der Gesamtumsätze machen die Auslandsaufträge aus, sagt Orschler.

Wie Orschler haben viele deutsche Firmen in der mittelständisch geprägten Medizintechnik-Branche aus einer Nische heraus den Sprung auf den Weltmarkt geschafft. Nach Berechnungen des Branchenverbandes Spectaris erzielte die deutsche Medizintechnik-Wirtschaft 2003 einen Umsatz von 12,54 Mrd. Euro, davon 54 Prozent im Ausland.

Um neben den global agierenden Unternehmen wie etwa Siemens bestehen zu können, haben Mittelständler im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Entweder sie beliefern die großen Unternehmen mit Komponenten oder sie besetzen eine starke Position in einem der zahlreichen Nischenmärkte. Auch Reinhard Clemens vom Bonner Institut für Mittelstandsforschung sieht die Spezialisierung als Chance für kleinere Medizintechnik- Firmen. „Wer sich auf eine Nische konzentriert, kann auch mit nur 100 bis 200 Mitarbeitern Weltstandards setzen.“

Das versucht auch die Königsee Implantate GmbH – etwa mit einem innovativen Wirbelsäulen-Implantat, das eine neue Operationsmethode ermöglicht. Normalerweise müsse sich der Arzt vom Bauch des Patienten aus durch den Körper arbeiten, bis er einen künstlichen Wirbel einsetzen könne, erklärt Geschäftsführer Orschler. Das Königsee-Implantat hingegen gelangt von der Seite aus schonender durch den Brustkorb zur Wirbelsäule. Zudem könne der künstliche Wirbelkörper mit einem Spreizmechanismus im Körper auf die richtige Größe gebracht werden. „Es gibt also kein Rein und Raus mehr wie bei anderen Implantaten, wenn sie nicht hundertprozentig passen“, sagt Orschler. Das sei nicht nur schonender für den Patienten, sondern auch effizienter für die Kliniken. Diese Ziele verfolgt auch die Human Med AG aus Schwerin mit ihrem Helix-Hydro-Jet. Mit diesem Wasserstrahl- Skalpell kann krankes Gewebe aus dem Körper entfernt werden. Anders als bei herkömmlichen Skalpellen oder Lasern werden dabei nach Firmenangaben umliegende Blutgefäße oder Nervenbahnen nicht verletzt. Der hauchdünne Wasserstrahl kann vom Arzt je nach Gewebe im Druck zwischen 1 und 150 bar variiert werden, um Blutungen oder Schwellungen zu vermeiden. Als 30 Mann starkes Unternehmen bedient die Human Med AG 25 Länder – darunter Australien, China und Russland – und blickt auf eine Exportquote von 65 Prozent.

Die Münchener Medizin Mechanik GmbH (MMM) liefert seine Sterilisations- und Desinfektionsgeräte in 40 Länder. Schon seit der Gründung im Jahr 1954 habe sich der Betrieb auf Sterilisation und Desinfektion spezialisiert, sagt MMM-Sprecher Stefan Meilinger. Mit den Maschinen der Münchener können Operationsinstrumente gereinigt werden. Dazu wird heißer Dampf benutzt, der auch kleinste Mikroorganismen rückstandsfrei abtötet. Meilinger sieht weiteres Wachstumspotenzial: „Unsere Chancen liegen vor allem im Export.“

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