Biotechnologie
Proteine legen Krebszellen lahm

Das bayerische Biotech-Start-up Pieris schleust mit einer neuartigen Methode Medikamente in bösartige Tumore. Und weil sie clever genug waren, sich ihre Verfahren in ganz Europa und den USA pantentieren zu lassen, haben sie nun einen riesigen Vorsprung.

BERLIN. Arne Skerra hat dem Krebs den Kampf angesagt. Der Gründer des Freisinger Biotechnologie-Unternehmens Pieris setzt dabei auf künstliche Proteine, die Botenstoffe aus Tumoren einfangen und Wirkstoffe gezielt dorthin bringen sollen. Die sogenannten "Anticaline" hätten "großes Potenzial, zur nächsten Medikamentengeneration nach den Antikörpern zu werden", sagt Skerra.

Die Proteine aus Freising wirken ähnlich wie Antikörper, die ein gesunder Körper normalerweise selbst herstellt. Die Anticaline haben ihnen gegenüber aber Vorteile: Sie sind acht Mal kleiner und können daher leichter in die Zwischenräume von Zellen eindringen. Außerdem sind sie stabiler und wirken länger. Zur ihrer Herstellung nutzen die Wissenschaftler einfache Bakterien oder Hefezellen. Neben der Krebsbehandlung könnten die Anticaline beispielsweise auch zu neuen Arzneien gegen Augenkrankheiten, Aids oder Asthma führen.

Das junge Unternehmen Pieris mit seinen 35 Beschäftigten hat dabei einen Startvorteil: Keine andere Firma forscht derzeit an den Proteinen, weil die Freisinger die Technik in Europa und den USA vollständig für sich patentiert haben. "Das ist ein Riesenvorteil für Pieris", sagt Jens Schneider-Mergener, Vorstand der Berliner Biotech-Firma Jerini. "Der Markt für Antikörper ist dagegen durch unzählige Patente verschiedener Firmen abgedeckt." Wer einen neuen Wirkstoff herstellen möchte, muss Lizenzgebühren zahlen - das schmälert die Gewinnaussichten.

Die Pieris- Forscher ahmen mit ihren Anticalinen natürliche Stoffe im Körper nach. Im menschlichen Blut schwimmen kelchförmige Proteine, die Vitamine, Boten- und Mineralstoffe zu den Organen befördern. Diese heißen "Lipocaline", abgeleitet vom griechischen "Calyx" für Kelch. Skerra entdeckte schon in den 90er-Jahren, dass an ihren Rändern vier Schleifen sitzen, mit denen sie ihre Fracht befestigen. Ein Prinzip, das Skerra an die Wirkweise von Antikörpern erinnerte. Diese docken auf ähnliche Weise an Eindringlinge wie Krankheitserreger an und alarmieren so das Immunsystem.

Schon heute nutzen Pharmaunternehmen Antikörper in großem Stil. Beispielsweise heftet sich das Präparat Avastin des seit bereits 30 Jahren im Biotech-Bereich forschenden Konzerns Roche Pharma an eine Substanz in Krebsgeschwüren und bekämpft sie auf diese Art. Obwohl es erst seit drei Jahren auf dem Markt ist, avancierte es zum Blockbuster-Medikament.

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