Das Geschäft mit der Schönheit
Spieglein, Spieglein an der Wand...

Tausende Deutsche legen sich aus rein ästhetischen Gründen unters Messer. Statt XXL-Eingriffen ist Natürlichkeit das Ideal. In Ländern wie Brasilien ist das anders. Eine Audienz bei Schönheits-Papst Ivo Pitanguy in Rio.
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Rio de JaneiroBrüste sind ihm zu platt. Wie viele er in seinem Leben als Chirurg vergrößert hat? Darüber will Ivo Pitanguy – ein etwas gedrungener, kleiner Mann – nicht sprechen. Er windet sich in seinem Ledersessel, steht schließlich auf, holt zwei Gläser und eine Flasche Wasser. Was hat er davon, wenn die Welt erfährt, wie oft er das Skalpell an Nasen, Ohren, Schenkeln, Brüsten angesetzt hat? „Fragen Sie meine Sekretärin, irgendwo ist alles gelistet, Zahlen haben mich nie interessiert.“

Pitanguy ist ein Meister seines Faches, seine Privatklinik in Botafogo, einem Stadtteil von Rio de Janeiro, gilt als Mekka der Schönheitschirurgie. Operationsräume, Patientenzimmer und Bibliotheken sind in einer klassizistischen Villa untergebracht, die sich hinter hohen Mauern verbirgt. Ein Pförtner kontrolliert den Eingang. In seinem Büro empfängt der mittlerweile 88-jährige Brasilianer seine Schüler. Die kommen aus aller Welt, um den Schönheits-Papst zu sprechen. Mehr als 900 Aufsätze und 18 Bücher, darunter Standardwerke für seine Zunft, hat dieser geschrieben, einige sind auf Deutsch erschienen. „Sehen Sie hier“, sagt er und zieht eine Abhandlung von 1976 über die Ohrmuschel aus dem Regal.

Kaum ein Brasilianer, der Pitanguy nicht kennt. Und diejenigen, die ihn kennen, reden voller Anerkennung über ihn. Jeder nennt mindestens eine Prominente, die sich seiner Privatklinik einquartiert haben soll: Brigitte Bardot, Sophia Loren, Leni Riefenstahl. Ein Bildband über die deutsche Filmregisseurin liegt auf seinem Schreibtisch. Ein Hinweis, mehr nicht. Über Namen redet Pitanguy nicht. In Rio gönnen sie ihm Ruhm, Reichtum und die Privatinsel südlich von Rio, denn er hat die Menschen von der Straße nicht aus den Augen verloren. Als Beweis dient das „General Hospital“, das Schönheitsoperationen für Menschen aller sozialen Klassen möglichen machen soll. So wünscht es sich Pitanguy. Sein Credo: Ästhetisch-plastische Chirurgie darf kein Privileg der Elite sein.

„Schönheit ist für mich ein Gefühl von Wohlbefinden“, sagt er. Dieses Wohlbefinden will er denjenigen zurückgeben, die sich ihm und seinem Team anvertrauen. Selbst setzt er nicht mehr das Skalpell an, doch wünschen manche Patienten seine Anwesenheit im OP. „Wir operieren nur, wenn das Ergebnis eine Verbesserung für das Lebensgefühl desjenigen bedeutet, der zu mir kommt.“

Pitanguy ist nun angekommen bei seiner Philosophie. Darüber spricht er lieber als über profane Zahlen. „Wir müssen im Gespräch erkennen, wie es im Inneren des Menschen aussieht, wie sehr er leidet – und ob eine Operation nötig ist.“ Wohl auch deshalb ist er bei Kollegen so beliebt: Wer mit ihm spricht, hat anschließend das Gefühl, das Richtige zu tun.

Und das Geschäft mit der Schönheit boomt. Vor allem in Brasilien. Eine internationale Vergleichsstudie, die eine Einordnung ermöglicht, gibt es von der ISAPS, der International Society Of Asthetik Plastic Surgery. Danach wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 343.000 chirurgische Eingriffe wie beispielsweise Brustvergrößerungen vorgenommen. Die USA kamen auf 1,45 Millionen solcher Operationen, Spitzenreiter Brasilien sogar auf 1,49 Millionen. Bei den non-invasiven Maßnahmen wie dem Spritzen von Botox verzeichnet die ISAPS für Deutschland 311.000, für Brasilien 649.000 und die USA 2,54 Millionen Behandlungen.

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