Das Konzept für die Einführung der elektronischen Patientenkarte steht noch nicht, aber die Industrie glaubt noch an den Start 2006
Die Branche setzt alles auf eine Karte

Mit der elektronischen Gesundheitskarte soll in wenigen Monaten eines der größten IT-Projekte Europas an den Start gehen. Doch wenige Wochen, bevor die ersten Ausschreibungen für Karten, Lesegeräte und Softwarelösungen erfolgen sollen, streiten Kassen, Kliniken und Ärzte noch darüber, wie das Projekt ausgestaltet werden soll.

HB BERLIN. Insgesamt sollen im kommenden Jahr rund 80 Millionen neue Karten an die Versicherten der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherungen ausgegeben werden. In einigen Pilotregionen soll die Ausgabe der Gesundheitskarte bereits am 1. Januar 2006 beginnen.

Die von den Spitzenorganisationen des deutschen Gesundheitswesen eigens für die Einführung der Karte gegründete Gematik GmbH geht jedoch von einem weniger ambitionierten Zeitplan aus. „Ob die ersten Karten tatsächlich zu Jahresbeginn kommen, kann ich aus heutiger Sicht noch nicht sagen“, sagt Geschäftsführer Harald Flex. Erste Projekte werde es im kommenden Jahr jedoch geben.

Die Gesundheitskarte wird die Kassen voraussichtlich mehr als eine Mrd. Euro kosten. Diese Investition dürfte sich nach Einschätzung von Experten rasch rechnen. Die Kassen erhoffen sich von der Gesundheitskarte ein jährliches Einsparpotenzial von über 300 Mill. Euro.

Allein das elektronische Rezept, das als eine der leichter zu realisierenden Zusatzfunktionen der elektronischen Gesundheitskarte gilt, soll Kassen und Apothekern Einsparungen von 100 Mill. Euro im Jahr ermöglichen – und nebenbei die Sicherheit des Patienten erhöhen.

Die Zeiten, in denen unleserliche Rezepte Apotheker vor gefährliche Rätsel stellten, sollen dann unwiderruflich der Vergangenheit angehören. Statt auf Papier geschrieben soll das Rezept künftig auf der Gesundheitskarte gespeichert werden und vom Apotheker elektronisch eingelesen werden. Der Medienbruch zwischen dem Papierrezept und der elektronischen Abrechnung durch die Versicherung macht derzeit bis zu fünf Arbeitsschritte nötig – bei rund 750 Millionen Kassenrezepten im Jahr sind das Kosten von 100 Mill. Euro im Jahr.

Derzeit herrscht zwischen Kassen, Ärzten, Kliniken und Apothekern noch kein Konsens darüber, wie das Projekt Gesundheitskarte konkret umgesetzt werden soll. Nach dem – typisch deutschen – Prinzip der Selbstverwaltung müssen sie sich aber auf die Art der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben einigen.

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