Krebstherapie
Angriff von innen

Radioaktive Kügelchen stoppen Leberkrebs. Wenn die Chemotherapie nicht mehr hilft, dann werden sie zur Geheimwaffe. Sie nehmen den Tumor gleich zweifach in die Zange - durch Aushungern und Verstrahlen. Die Ausnahmetherapie soll nun zum Standard werden

BERLIN. Für manche Patienten mit einem Lebertumor sind sie die letzte Hoffnung: kleine radioaktive Kügelchen, die den Tumor von der Leber aus angreifen und vernichten. Bei der so genannten selektiven internen Radiotherapie (Sirt) werden sie in die Leberarterie gespritzt und mit dem Blut in die Leber geschwemmt. Die Kügelchen verstopfen die winzigen Gefäße, die die Tumoren mit Nährstoffen versorgen, zugleich bestrahlen sie das Krebsgewebe sehr gezielt.

Bislang wird die Methode nur angewendet, wenn bisherige Therapie keinen Erfolg zeigen. Die Hersteller der kleinen radioaktiven Kügelchen, die australische Firma Sirtex und das kanadische Unternehmen Nordion, wollen das nun ändern. In großen Studien untersuchen sie die Wirksamkeit der speziellen Strahlentherapie in Kombination mit der Chemotherapie. Wenn sie beweisen können, dass dieses Vorgehen wirksamer ist als der derzeitige Standard, könnten sie den Anwendungsbereich enorm ausweiten und damit einen Riesenmarkt erreichen.

Leberkrebs ist weltweit einer der häufigsten Tumoren. In Deutschland ist er zwar vergleichsweise selten, aber auch hierzulande wird die Leber häufig von Tumoren befallen, wenn andere Krebsarten wie Darmkrebs oder Brustkrebs dort Tochtergeschwülste bilden. Rund 75 Prozent der Patienten mit Lebertumoren können nicht operiert werden. Zuerst wird bei diesen Patienten eine Chemotherapie durchgeführt. "Wenn eine weitere Chemotherapie zu belastend wäre oder der Tumor nicht mehr auf die Medikamente reagiert, kommt die Sirt ins Spiel", sagt Maximilian Reiser, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie am Klinikum der Universität München.

Die Ergebnisse der Therapie seien angesichts der ohnehin ungünstigen Ausgangssituation gut. "Rund 80 Prozent der behandelten Patienten sprechen auf die Therapie an", sagt Reiser. Bei vielen wird das Wachstum der Tumoren vorübergehend aufgehalten, bei manchen schrumpfen die Tumoren sogar. "Sirt kann die Patienten zwar nicht heilen, aber die Behandlung verschafft ihnen einen deutlichen Gewinn an Lebenszeit", sagt Reiser, der die parallel in Australien und den USA entwickelte Methode vor einigen Jahren in Deutschland etabliert hat.

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