Ruhezustand durch Sauerstoffmangel hilft, Unfälle zu überstehen
Ein künstlicher Winterschlaf könnte Leben retten

Wenn Organe über das Blut zu wenig Sauerstoff erhalten, führt das nach einigen Minuten zu schweren Schäden bis hin zum Tod. Daher versuchen Rettungssanitäter und Notärzte, bei Schwerverletzten als erstes sicherzustellen, dass die Sauerstoffversorgung für die Zellen nicht unterbrochen wird.

HB DÜSSELDORF. In vielen Fällen jedoch könnte gerade das Gegenteil, also der weitgehende Sauerstoffentzug lebensrettend sein. Das schreiben Mark B. Roth vom Fred-Hutchinson-Krebsforschungszentrum in Seattle und sein ehemaliger Doktorand Todd G. Nystul von der Carnegie-Institution in Washington in der September-Ausgabe der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“.

Ein durch Sauerstoffmangel in den Zellen ausgelöster Ruhezustand – ähnlich dem Winterschlaf der Igel und Hamster – könnte den Organismus befähigen, ungünstige Bedingungen zu überstehen. „Suspended Animation“, ausgesetzte Belebung nennt man das, weil Stoffwechsel und Zellaktivität auf ein Minimum reduziert sind, und damit auch der Energiebedarf sinkt. „Den Körper auf extreme Sparflamme zu drosseln, könnte das Absterben von Gewebe verzögern“, schreiben Roth und Nystul. Dies wäre vor allem für die Notfall- und Transplantationsmedizin von enormer Bedeutung. Denn menschliche Spenderorgane sind nach wenigen Stunden außerhalb des Körpers unbrauchbar.

Bei Versuchen an hamsterähnlichen arktischen Zieseln stellten Biologen der Universität Fairbanks in Alaska fest, dass sie Verwundungen im Winterschlaf viel besser verkrafteten als im Aktivzustand. Bei den Tieren starb kaum Gewebe im Umfeld der Wunde ab.

Eine Art künstlicher Winterschlaf lässt sich auch bei Tieren einleiten, die in der Natur keinen halten. An der Universität Pittsburgh wurden Hunde nach einem künstlichen Herzstillstand durch vollständigen Austausch des Blutes gegen eine fast sauerstofffreie Kochsalzlösung in einen Zustand ausgesetzter Belebung versetzt. Der Sauerstoffgehalt des Gewebes reduzierte sich drastisch. Währenddessen waren problemlos chirurgische Eingriffe möglich.

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