Sepsis
Unterschätzter Killer

70.000 bis 80.000 Bundesbürger erkranken pro Jahr an der Sepsis, ein Drittel bis die Hälfte davon stirbt. Eine Rate, die sich schon durch einfache Hygienemaßnahmen drastisch verringern ließe.
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WeimarDie Gefahr, in Deutschland an einer Blutvergiftung zu sterben, wächst von Jahr zu Jahr. Amerikanische Studien haben ergeben, dass die Zahl der Sepsis-Fälle in den entwickelten Ländern der Erde jährlich um sieben bis acht Prozent wächst. Etwa 70.000 bis 80.000 Bundesbürger erkranken pro Jahr an der Sepsis, ein Drittel bis die Hälfte davon stirbt.

Forscher sind sich sicher, dass sich mit schnellerer Diagnostik, neuen Therapien und strengeren Hygienemaßnahmen die Sterblichkeit um mindestens ein Viertel senken ließe. Die deutsche Sepsis-Forschung ist führend in der Welt, so das Credo auf dem Sepsis-Kongress in Weimar, allerdings hapert es noch an der Umsetzung im klinischen Alltag.

Dramatisch unterschätzt

„Es gibt keine Krankheit, die so dramatisch unterschätzt wird wie Sepsis“, sagt Konrad Reinhart, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena. Sein Kollege Tobias Welte, Vorsitzender der Deutschen Sepsis-Gesellschaft, setzt noch eins drauf: „Sepsis wird eines der Mega-Probleme der Zukunft.“

Der Grund: Zwei Drittel aller Patienten ziehen sich ihre Sepsis bei Infektionen im Krankenhaus zu. In den Krankenhäusern werden immer mehr ältere und anfälligere Patienten behandelt, die die typischen Sepsis-Kranken sind. Hinzu kommt die steigende Zahl an Operationen. Bei Plastikmaterialien wie Venen- oder Blasenkatheder sowie Beatmungsschläuchen steigt die Gefahr einer Infektion, je länger sie im Körper bleiben.

Die gefährlichsten Bakterien sind nicht etwa die Staphylococcus aureus (MRSA), die im Nasen-und Rachenraum des Menschen vorkommen, sondern Darmbakterien, sagt der Jenaer Mediziner Frank M. Brunkhorst. Sorgen bereiten auch die multiresistenten Bakterien durch den Übergebrauch an Antibiotika. „Jede dritte virusbedingte Erkältung wird vom Hausarzt fälschlicherweise mit Antibiotika behandelt“, kritisiert Brunkhorst. Andererseits investiere die Pharmaindustrie nicht mehr in neue Antibiotika zur Bekämpfung von Infektionen, weil das weniger Gewinn abwerfe, sagt Welte.

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Jede fünfte Infektion ist vermeidbar

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