Todesarzt von Auschwitz
Mediziner lernen an Mengeles Knochen

„Ein böser, perverser Mann“

Gewertz, die nach eigenen Angaben neben Auschwitz auch in anderen Konzentrationslagern gefangen war, ging nach dem Krieg zunächst nach Schweden, wo sie ihren späteren Mann kennenlernte. Zusammen siedelten sie 1952 nach Brasilien um.

„Mengele befahl mir, mich auszuziehen und in einen Bottich mit extrem heißem Wasser zu steigen“, schildert die gebürtige Polin in einem Interview in ihrer Wohnung in São Paulo. „Ich sagte, dass das Wasser zu heiß sei, und er antwortete, wenn ich nicht tun würde, was er befehle, dann würde er mich töten. Danach musste ich in einen Bottich mit eiskaltem Wasser steigen.“

Gewertz sah nach eigenen Angaben auch, wie Mengele ein neugeborenes Mädchen umbrachte, indem er es vom Dach einer der KZ-Baracken warf. „Er war ein böser, perverser Mann“, sagt sie. „Er war ein Folterer.“

Mengele war nach dem Krieg zunächst nach Argentinien geflohen, verbrachte ein Jahrzehnt in Buenos Aires. Nachdem Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad den ebenfalls in der Stadt lebenden Adolf Eichmann gefasst hatten, zog Mengele nach Paraguay um.

1960 fand er Unterschlupf in São Paulo. Nach seinem Tod beim Schwimmen an einem Strand der Stadt Bertioga 1979 beerdigten ihn die Bosserts unter dem falschen Namen Wolfgang Gerhard in Embú am Stadtrand von São Paulo. Nach der Entdeckung seines Grabes wurden die sterblichen Überreste 1985 exhumiert. Teams aus Deutschland, Israel, den USA und Brasilien bestätigten dann, dass es sich tatsächlich um Mengele handelte.

Maria Luiza Carneiro, eine auf das Gebiet Ethnizität, Rassismus und Diskriminierung spezialisierte Historikern, wünscht sich, dass die Studien im Uni-Hörsaal eines Tages über die Forensik hinausgehen. Studenten sollten auch lernen, „wie Ärzte, Psychiater und andere führende Wissenschaftler im Dienst des (Dritten) Reiches standen, ihre Kenntnisse zur Verfügung stellten, um als minderwertige Rassen eingestufte ethnische Gruppen auszuschließen“, so Carneiro. „Ein Ausschluss, der in Völkermord kulminierte.“

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Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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