Veränderungen in der DNA
Bluttest entlarvt Gendoping

Tübinger Forscher haben ein Verfahren vorgestellt, mit denen es ihnen gelungen ist, veränderte Erbsubstanz nachzuweisen. Das Testverfahren muss sich nun jedoch noch in der Praxis bewähren.

TÜBINGEN. Im Zeitalter der Gentherapie können Veränderungen im Erbgut nicht nur zur Behandlung von Krankheiten genutzt werden, sondern auch um den Körper leistungsfähiger zu machen. Ob es bereits Sportler gibt, die mit so genanntem Gendoping ihren Körper für Wettkämpfe fit machen, ist nicht sicher. Bislang ist es nicht möglich solche Manipulationen aufzudecken. Das soll sich möglichst bald ändern. Zahlreiche Forscher arbeiten daran, Bluttest zu entwickeln, mit denen eine Genveränderung nachweisbar wäre. So haben Tübinger Forscher gestern ein Verfahren vorgestellt, mit denen es ihnen gelungen ist, veränderte Erbsubstanz nachzuweisen.

„Wir haben eine gentechnische Methode entwickelt, mit der so genannte transgene Erbsubstanz nachweisbar wird“, sagt Perikles Simon von der Abteilung Sportmedizin der Medizinischen Uniklinik in Tübingen. Dabei machen sich die Forscher zunutze, dass DNA aus zwei unterschiedlichen Bausteinen besteht, so genannten Exons und Introns. Bei der Übertragung fremder DNA werden Introns weggelassen. Die Reihenfolge der Exons bleibt aber erhalten. Gelingt es nun, Zellen zu finden, in denen die Introns fehlen, ist klar, dass das Erbgut verändert wurde.

Das Testverfahren ist in der Lage, in einer gängigen Blutprobe von zirka zehn Millilitern selbst wenige Moleküle veränderter Erbsustanz nachzuweisen, die sich noch dazu fast identisch mit der unveränderten DNA ist. „Es geht darum, zehn Moleküle aus zehn Millionen Molekülen zu finden“, beschreibt Simon die Herausforderung. Dazu wird zunächst eine Folge von Exons gesucht, bei der die Introns fehlen. Anschließend wird die Substanz vermehrt, ähnlich wie dies beim DNA-Test im Kriminallabor geschieht. Simon ist es auf diese Weise gelungen, aus zwei Millilitern Blut vier veränderte Moleküle auszusortieren.

Das Testverfahren muss sich nun jedoch noch in der Praxis bewähren. „Noch ist nicht klar, wie zuverlässig der Nachweis arbeitet, wie spezifisch das Verfahren ist“, räumt der Forscher ein. Es müsse zudem noch untersucht werden, wie lange sich die sehr unterschiedlichen Gentransferverfahren im Blut nachweisen lassen, sagt Simon.

„Ich halte den Ansatz der Tübinger Forscher für spannend“, sagt Jan Detmers, Geschäftsführer der Dortmunder Chimera Biotec. Sein Unternehmen arbeitet gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln im Auftrag der Weltantidopingagentur WADA ebenfalls an einem Gendopingtest. Die Entwickler der Firma gehen dabei aber einen Weg. „Wir wollen keine veränderte DNA nachweisen, da diese zu schnell abgebaut wird, sondern suchen Veränderungen in den körpereigenen Proteinkonzentrationen, die nach dem Doping mit auftreten.“

Dabei geht es darum, die Betrüger auszutricksen. Dopende Athleten arbeiten mittlerweile mit Substanzen, die sich schnell abbauen und deshalb nach dem Wettkampf nicht mehr zu belegen sind. Es reicht also nicht aus, die Substanzen zu suchen, die gespritzt werden. „Unser Ansatz ist es, Wirkungen im Stoffwechsel aufzudecken“, erläutert Detmers. Diese halten länger. Nachweisen will er beispielsweise Veränderungen beim Myostatin, einem Protein, das das Wachstum der Muskeln blockiert. Fehlt dieses Eiweiß, dann wachsen die Bizepse schneller. Ein Test für Myostatin soll bis Jahresende vorliegen.

Einen weiteren genverändernden Wirkstoff hat der WADA im Blick: Repoxygen. Die in England entwickelte genveränderte Substanz soll blutarme Patienten therapieren. Der Wirkstoff reguliert die Ausschüttung des Hormons Epo, das für die Bildung der roten Blutkörperchen verantwortlich ist. Je mehr rote Blutkörperchen, je mehr Sauerstoff kann der Mensch aufnehmen und um so leistungsfähiger ist er.

Wilhelm Schänzer, Doping-Experte von der Deutschen Sporthochschule in Köln hält die Befürchtungen des Gendopings mit Repoxygen momentan noch für überzogen. Noch sei nicht klar, ob dies bei Menschen wirklich funktioniert. Die Gefahr sei groß, dass die Konzentration der roten Blutkörperchen zu groß wird und die Blutgefäße verstopfen.

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