Zukunft der Medizin
Medizin aus dem 3D-Drucker

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Ein dickes Brett, das langsam gebohrt wird

Beim 3D-Druck werden Werkstoffe wie Titan, Kunststoff oder Keramik mit Hilfe von Lasern oder Infrarotlicht Schicht für Schicht verschmolzen. Da die Schichten nur hundertstel Millimeter dick sind, ist das Verfahren äußerst präzise. Auch komplizierte Wabenstrukturen sind möglich, die durch Bohren oder Spritzen nicht herstellbar wären. Der Bauplan ist individuell – und wird etwa nach einem Scan aus dem Computertomographen entworfen.

Chirurgen wie Al-Nawas würden gerne etwas anderes verbauen als Metall, wenn sie zum Beispiel nach einem Pferdetritt ein Gesicht rekonstruieren. „Wir wollen am liebsten ein Material, das vom Körper zu Knochen umgebaut wird, wie etwa Magnesium. Oder zumindest ein Material, das knochenähnlicher ist“, sagt er. Daran tüftelt er zusammen mit Materialforschern der Uni Darmstadt und der Unimedizin Mainz.

Forscher der Northwestern University in Chicago haben im 3D-Druck schon funktionsfähige Eierstöcke von Mäusen produziert. Nach der Transplantation entwickelten die weiblichen Tiere ohne jegliche weitere Behandlung Eizellen, die auf natürliche Weise befruchtet wurden, wie das Team vor wenigen Tagen im Fachblatt „Nature Communications“ berichtete.

Im vergangenen Jahr hatten US-Forscher gezeigt, dass Knorpel und Muskelstücke aus dem Drucker anwachsen und sich dort Blutgefäße und Nervenverbindungen bilden. Ein wichtiger Schritt für die Verwendung komplexer 3D-Teile im Körper.

Dabei sind die gedruckten Individual-Stücke keineswegs nur etwas für Menschen in den reicheren Ländern. Eine Untersuchung mit 19 Patienten mit Unterschenkelamputationen in Togo, Madagaskar und Syrien zeige, dass mit einem leichten 3D-Scanner eine digitale Form der Gliedmaße erstellt werden könne, erklärte die Hilfsorganisation Handicap International. Anschließend sei mit einem 3D-Drucker eine maßgeschneiderte Fassung hergestellt worden. Das eröffne neue Möglichkeiten gerade in entlegenen Gebieten und Konfliktzonen.

Al-Nawas warnt aber vor einer Überschätzung der Möglichkeiten. „Nachher sagt jeder: Der Durchbruch ist da, und morgen drucken wir neue Herzen.“ Das könne dazu führen, dass viele Mediziner dann von den tatsächlichen Ergebnissen enttäuscht seien. „Es ist spannend, aber es ist ein dickes Brett. Und die werden immer langsam gebohrt.“

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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