Energie der Zukunft
Die fossilen Brennstoffe sind wieder am Start

Der Preissturz bei Öl sorgt für eine neue Energiewende, auch Gas und Kohle kehren zurück. Handelsblatt.com startet eine Serie zu Zukunftsthemen – und verändert sich selbst: Vom 28. Januar an erleben Sie ein neues Design.
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DüsseldorfDer Energiemarkt hat eine wundersame Wendung genommen. Wer hätte sich noch vor einem halben Jahr vorstellen können, dass ein Barrel Rohöl (159 Liter) weniger als 50 US-Dollar kosten wird. Doch es ist dazu gekommen, der Liter Diesel ist an deutschen Tankstellen inzwischen für 99 Cent zu haben. Seit dem Sommer hat sich der Rohöl-Preis mehr als halbiert, die Folgen dieses radikalen Preissturzes werden von Tag zu Tag sichtbarer.

Wie oft ist schon das Ende der Ölforderung vorhergesagt worden? Schon in den frühen 1970er-Jahren warnte der „Club of Rome“ davor, dass die Weltölförderung nicht mehr lange aufrecht erhalten werden könnte und dass die globale Wirtschaft deshalb vor dem Zusammenbruch stehe.

Doch nichts dergleichen ist passiert. Immer wieder wurden neue Ölfelder erschlossen. Trotz der steigenden Nachfrage aus den Schwellenländer hat es immer genug Öl gegeben. Ein langsam steigender Ölpreis hat dafür gesorgt, dass auch schwer zugängliche Gebiete mit höheren Förderkosten genutzt werden konnten.

Doch nun stehen wir vor einer völlig neuen Situation auf den Ölmärkten. Einen solch dramatischen Preisverfall in so kurzer Zeit hat es noch nicht gegeben. Sorgen vor möglichen Problemen bei der Ölversorgung sind nun wirklich nicht mehr gegeben. Der starke Preisverfall zeigt mit aller Klarheit auf, dass die Welt im Moment eher im billigen Rohöl zu ertrinken droht. Den Schmierstoff der Weltwirtschaft gibt es im Überschuss, das Angebot übertrifft bei weitem die Nachfrage.

Experten und Kenner der Ölmärkte streiten zwar noch, wie es weiter gehen wird. Die Ölexperten der Commerzbank etwa halten einen Preis von 40 Dollar für realistisch, die der US-Investmentbank Goldman Sachs sprechen von 45 Dollar. Wagit Alekperow, der Chef des russischen Ölkonzerns Lukoil, geht noch weiter. Er meint, dass der Ölpreis sogar auf 25 Dollar absacken könnte.

Im Sommer vergangenen Jahres kostete das Fass Rohöl noch an die 115 Dollar. In der Branche herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass dieses Preisniveau für lange Zeit nicht wieder erreicht werden kann. Für die Produzenten am Persischen Golf, in Russland oder Venezuela also extrem schlechte Nachrichten. In den westlichen Industrieländern herrscht hingegen große Freude darüber, gewaltige Milliardenbeträge werden künftig zu Hause bleiben.

Kommentare zu " Energie der Zukunft: Die fossilen Brennstoffe sind wieder am Start"

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  • Unabhängig davon ob man an den Klimawandel "glaubt" oder nicht; fossile Rohstoffe zu verbrennen, so wie wir es im großen Stil machen, ist ein Verbrechen an unseren Nachkommen.
    Aus der Menge an Benzin die wir in DE durchschnittlich benötigen um Sonntags beim Bäcker vorbeizufahren, könnte man auch ca. 100g Medizin oder dieselbe Menge an Konststoffen herstellen.
    Von der Verseuchung der Umwelt bei der Gewinnung, Tranport und Verarbeitung von Erdöl, Erdgas und Kohle ganz zu schweigen.

    Wenn billiges Öl wirklich so ein guter Schmierstoff für die Wirtschaft ist, dann kann die EZB ja problemlos die Zinsesn anheben.

  • Der Artikel ist peinlich und gibt wenig Informationen zur Sache. Deshalb hat der Autor eine Portion Ökoreligion beigemischt.

    Die "Endlichen Rohstoffvorkommen" des Club of Rome war die erste ökoreligiöse Weltuntergangssaga. Gem. dieser Saga sollten die Erölvorkommen 1990, die Erdgasvorkommen 1992 erschöpft sein und die Industriegesellschaft bereits verschwunden sein. Diese Saga war in den 70er Jahren ähnlich populär wie heute der "Klimawandel". Es folgten weitere Ökoweltuntergangssaga, Waldsterben, Ozonloch und aktuell die CO2 Klimahölle. Da man es verstand die CO2 Klimahölle mit profitablen milliardenschweren Geschäftsmodellen zu verbinden ist diese noch nicht in den Archieven verschwunden.

    "Erneuerbare Energien" gibt es in den Naturwissenschaften natürlich nicht. Wahrscheinlich wurde der Name gewählt um zu zeigen, dass man sich abseits der Grenzen von Technik und Ökonomie bewegt. Preiswertes Öl lässt den Wohlstand ansteigen und erhöht die Bereitschaft der Staaten ökoreligiöse Monumente wie Windmühlen und Solaranlagen zu subventionieren. Insofern stützt ein niedriger Ölpreis tendenziell die "Erneuerbaren Energien".

  • „In den westlichen Industrieländern herrscht hingegen große Freude darüber, gewaltige Milliardenbeträge werden künftig zu Hause bleiben.“
    Wär’ schön, wenn die nicht zu Hause blieben, sondern dazu genutzt würden, die globale Energieversorgung schleunigst auf zukunftsfähige Energiequellen umzustellen…
    Schon gut, lassen wir das.
    Vielleicht bringt es ja kurzfristig mehr, sich mal die „Quarks&Co.“-Sendung von gestern Abend mit dem Astronauten Alexander Gerst anzusehen und zu hören, was der nachdem er Gelegenheit hatte, sich mit etwas mehr „Abstand“ Gedanken über unsere Erde zu machen, dazu zu sagen hat?
    http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks_und_co/videowelchezukunfthatdiebemannteraumfahrt102.html

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