Berufsfelder unter der Lupe
Als Asset Manager Geld vermehren

Jet-Set, Top-Gehalt und glamouröse Dienstreisen: Dem Beruf des Asset Managers, der aus Geld noch mehr Geld für seine Kunden macht, haftet ein ganz besonderes Image an. Aber welche Qualifikationen braucht man eigentlich?
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KölnDie Finanz- und Wirtschaftskrisen haben das Asset Management geschwächt, zeitweise sogar erschüttert. Unternehmen und Anleger sind in ihren Strategien vorsichtiger geworden, Käuferstrukturen ändern sich, zunehmend spielt der Begriff „Nachhaltigkeit“ auch im Asset Management eine Rolle. Globale Engagements und verstärkte Risikokontrolle stehen einander gegenüber. Hinzu kommt der Verdrängungswettbewerb zwischen heimischen und ausländischen Anbietern.

Die Lage ist nicht unproblematisch, die Flucht der Anleger hat international zu einem deutlichen Rückgang der verwalteten Vermögenswerte geführt. Viele Entlassungen und weiterhin gefährdete Arbeitsplätze machen das Asset Management immer weniger attraktiv für Bewerber. Gleichzeitig bestehen hohe Qualitätsanforderungen für die, die ihrer Leidenschaft für den Kapitalmarkt nicht abschwören können.

Ein Blick auf die Entwicklung der Stellenangebote verheißt nichts Gutes: Seit September sinkt die Zahl der Stellenangebote augenfällig. Und erstmals seit eineinhalb Jahren bricht auch das Bewerberinteresse stark ein – dabei verbirgt sich im Asset Management ein attraktiver Bereich für Berufseinsteiger.

Welche Jobs es in der Branche gibt und welche Qualifikationen man braucht, um hauptberuflich aus dem Vermögen von Privaleuten eine möglichst hohe Rendite bei einem möglichst geringen Risiko zu erwirtschaften weiß Markus Rudolf, Professor für Finance an der WHU.

Über viele Jahre gehörte das Asset Management neben dem Investmentbanking zu den attraktivsten Finanzbereichen für Berufseinsteiger. Sind die Zeiten vorbei?

Markus Rudolf: Nach wie vor bietet die Asset Management Branche und auch das Investment Banking attraktive Karrieremöglichkeiten an. Die Veränderungen in den beiden Branchen sind aber völlig verschieden. Im Asset Management besteht das Problem in der zunehmenden Regulierung (etwa Finanztransaktionssteuer), so dass ein großer Teil des Geschäftes nicht mehr aus Deutschland angeboten wird, sondern in Irland oder Luxemburg. Dort gibt es nach wie vor Jobs für hochqualifizierte Berufsanfänger.

Das Investment Banking hat vielleicht eine Art Prestigeverlust erlitten. Dennoch bleibt es ein wichtiger Bestandteil des Bankgeschäftes, das auch in Zukunft hohe Margen erwirtschaftet. Vielleicht etwas niedrigere als früher und damit etwas weniger hohe Gehälter und Boni für die Protagonisten. Aber das Umfeld bleibt dennoch attraktiv.

Bonusvolumina fallen geringer aus, hinzu kommt, dass die variable Vergütung eine neue Bedeutung erhält – denn kurzfristige Unternehmenserfolge haben an Bedeutung verloren. Lässt das den Job in der Bewerbergunst sinken?

Ich bin nicht sicher, ob ein Bonus ein kurzfristiges Instrument ist, natürlich kann man den auch an langfristigen Zielen ausrichten. Nach wie vor werden in den beiden Bereichen attraktive Gehälter gezahlt, vielleicht etwas normalisiert verglichen mit der Zeit vor 2007.

Was sollte der talentierte Nachwuchs an explizitem Wissen mitbringen?

Regulierungsthemen sind (leider) viel wichtiger geworden. Aber natürlich bleibt es ein Wettbewerbsvorteil, wenn man gut ausgebildet ist auch in den klassischen Gebieten der Finanzwirtschaft. Abschlüsse wie der CIIA oder CFA, der CeFm oder der CFP, der CRM oder andere erfreuen sich nach wie vor hoher Attraktivität.

Gibt es Trends? Welche (neue) Funktion können die Kapitalmarktspezialisten in einer global vernetzten Wirtschaft künftig einnehmen?

Die Versorgung der Realwirtschaft mit Kapital und mit Liquidität bleibt wichtig. Vielleicht ist der neue Trend „back to the roots“. Ich meine damit, dass die Kapitalmärkte wieder stärker eine dienende Funktion für die Realwirtschaft einnehmen. Manche Auswüchse wie die Schaffung immer komplexerer Derivatekonstruktionen ist vermutlich nicht das Geschäft der Zukunft.

Wohin dreht sich die Asset Management-Welt: Eher nach New York oder Richtung asiatische Märkte?

In Bezug auf die Anlageklassen machen China und Indien und auch Brasilien einen immer größer werdenden Teil der Weltwirtschaft aus. Das spiegelt sich natürlich auch in den Asset Allocations wider. USA wird wichtig bleiben. Als Standort für Asset Management Unternehmen könnte Singapur an Gewicht gewinnen, vor allem im Private Banking. Zusätzlich glaube ich aber auch, dass wenig regulierte Plätze in der EU weiteren Zustrom erfahren werden, z.B. Irland und Luxemburg.

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