Incentives
Ein hohes Gehalt ist nur die halbe Miete

Prämien oder teure Incentive-Reisen motivieren Mitarbeiter nur bedingt. Vor allem junge Leute legen zunehmend Wert darauf, dass ihr Arbeitgeber nachhaltig handelt und eine flexible Lebensgestaltung ermöglicht.
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DüsseldorfManager Olaf Lang staunte nicht schlecht: „Mit welchem Fitnessstudio kooperiert Ihr Unternehmen denn?“, lautete gleich die erste Frage des hochqualifizierten Bewerbers im Vorstellungsgespräch. Lang war erleichtert, dass er den Namen einer renommierten Fitnesskette nennen konnte.

„Talente sind heute extrem anspruchsvoll und haben hohe Erwartungen an ihren Arbeitgeber“, sagt der Leiter des Beratungsbereichs Talente und Vergütung bei der Unternehmensberatung Towers Watson. Die Kandidaten achteten verstärkt auf das Image eines Arbeitgebers und auf flexible Arbeitsmodelle. „Es geht beileibe nicht nur ums Geld“, betont Lang.

Geld allein macht die Mitarbeiter nicht glücklich. Diese banale Erkenntnis scheint sich noch längst nicht bei allen Arbeitgebern herumgesprochen zu haben. Die meisten Firmen setzen weiterhin vornehmlich auf Boni und Sachprämien oder auf Gruppenevents, um die Motivation ihrer Mitarbeiter hochzuhalten.

Etwa jeden achten Euro zahlen Unternehmen als leistungsbezogene Prämie aus. Das ergab eine repräsentative Analyse von 305 Betrieben am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit durch die Personalökonomen Dirk Sliwka, Johannes Berger und Claus Herbertz. Erhebliche Unterschiede beobachten die Forscher bei der Art der Boni. Mehr als die Hälfte der Betriebe stellt sie einzelnen Mitarbeitern in Aussicht. Die übrigen Firmen lassen Extras springen, wenn der gesamte Betrieb erfolgreich ist oder – und das ist nur in knapp jedem fünften Unternehmen der Fall – wenn Teams bestimmte Ziele erreichen.

Individuelle und variable Leistungsprämien sind auch unter Tarifbeschäftigten immer verbreiteter. Das Problem: Eine objektive Bewertung ist nur selten möglich. „Die wenigsten Führungskräfte sind in der Lage, differenziert zu urteilen“, meint Hans-Georg Blang, Mitglied der Geschäftsleitung der Kienbaum Vergütungsberatung. Die Folge: „Solche Incentives wirken schnell demotivierend. Denn wer keine Prämie bekommt, ist frustriert und schiebt womöglich Dienst nach Vorschrift“, vermutet Blang.

Tatsache ist: Die Aufmerksamkeit und Anerkennung vieler Chefs fokussiert sich ausschließlich auf überragende Leistungsträger. Ein kurzsichtiger Blick, wie eine Untersuchung der Beratung McKinsey zeigt. Gerade in Zeiten organisatorischer Umbrüche bringt es demnach wenig, vornehmlich Top-Leister mit finanziellen Anreizen zu überschütten. Arbeitgeber übersehen dabei oft, wie bedeutsam gerade die „Normal-Leister“ für den Erfolg des Unternehmens sind.

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