Karriere
Liebe am Arbeitsplatz – Fluch oder Segen?

Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer weltweit befürchtet, dass ein Verhältnis im Büro der Karriere schadet. Dabei können die Chefs meist nichts dagegen unternehmen – und mit kleinen Tipps hält die Beziehung auch.
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DüsseldorfVor 20 Jahren konnten sich Dietmar und Helene Grundmüller den Traum von der eigenen Schreinerei verwirklichen. Jede freie Minute stecken die Eheleute, deren Namen von der Redaktion geändert wurden, in den Handwerksbetrieb und am Ende läuft das Geschäft doch schlecht. Auch nach Feierabend drehen sich die Gespräche meist um den gemeinsamen Arbeitsplatz. Jeder für sich fühlt sich von dem Familiengeschäft eingeengt – die Ehe droht zu zerbrechen.

Nicht nur für die Grundmüllers ist die Liebe am Arbeitsplatz ein Problem. Eine aktuelle Umfrage des Karriereportals Monster kommt zu dem Ergebnis, dass über 58 Prozent der Arbeitnehmer weltweit eine Beziehung zu einem Kollegen ablehnen. Sie befürchten, dass die Karriere darunter leiden könnte.

Warum kennt trotzdem fast jeder ein Paar, bei dem es im Büro gefunkt hat? „Am Arbeitsplatz ist es möglich, jemanden richtig gut kennenzulernen“, erklärt Paartherapeut Joachim Braun. Schnell wisse man über die Stärken und Schwächen des Kollegen Bescheid und ob das zu einem selbst passt.

Eine repräsentative Umfrage des Kaffeeherstellers Jacobs kommt zu dem Ergebnis, dass sich mehr als jeder zehnte Deutsche bei der Arbeit verliebt. Nur in der Disko oder durch den Freundeskreis finden mehr Menschen zueinander. Auch Dieter Zapf, Leiter der Abteilung Organisationspsychologie an der Universität Frankfurt, sieht das Büro als eine Art Partnerbörse: „Gerade wenn man neu in ein Unternehmen kommt, ergibt sich so etwas von ganz allein.“

In manchen Fällen profitieren Firmen von den Liebeleien, etwa wenn die Sekretärin in den Chef verliebt ist und deswegen Glanzleistungen abliefert. Oft ist das Verhältnis im Büro aber auch ein Problem. Denn die Nähe zum Partner kann von der eigentlichen Tätigkeit ablenken und den Mitarbeitern auf die Nerven gehen.

Das ist aber noch eher die romantische Variante. „Problematisch wird es besonders, wenn man durch die Beziehung zum Kollegen an Informationen gelangt, die man sonst nie bekommen hätte“, sagt Zapf. Deswegen würden in höhere Positionen, in denen Informationen sehr wertvoll sein können, nur selten Lebenspartner berufen.

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Wal-Mart versuchte Liebeleien zu verhindern

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