Mobbing am Arbeitsplatz
Und plötzlich verhalten sich alle Kollegen anders

Die Grenzen zwischen kollegialem Tratsch und systematischem Mobbing sind fließend. Die Täter suchen ihre Opfer oft gezielt aus. Wie Sie merken, dass Sie zur Zielscheibe der Kollegen werden und was Sie tun können.
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DüsseldorfDer Kollege ist das Instrument des systematischen Mobbers. „Ist dir aufgefallen, dass der Neue immer so nach Pfefferminz riecht?“, fragt er einen anderen Angestellten. „Meinst du, der hat vielleicht ein Alkoholproblem?“ Noch bevor dieser darauf antworten kann, relativiert der Mobber seine Aussage. „Das war nur so eine Überlegung. Erzähl' bitte niemandem davon.“

Doch solche scheinbar harmlosen, beiläufigen Bemerkungen können große Auswirkungen haben: „Nach solch einem Gespräch passiert es oft, dass der instrumentalisierte Mitarbeiter sich unterbewusst anders gegenüber dem Kollegen verhält“, weiß Karriereexpertin und Psychotherapeutin Madeleine Leitner, die seit mehr als 20 Jahren mit Mobbing-Opfern zu tun hat.

Die Konsequenz: Der langjährige Angestellte fühlt sich unwohl in der Gegenwart des Neuen. Er weicht ihm unbewusst von heute auf morgen aus oder ist kurz angebunden, wenn dieser das Gespräch sucht. Plötzlich verhalten sich andere Kollegen ähnlich. Der Mitarbeiter wird zunehmend zum Außenseiter.

Die Grenzen zwischen kollegialem Tratsch und systematischem Mobbing sind laut Leitner fließend. Aus juristischer Perspektive müssen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein, damit man von Mobbing spricht. „Es muss eine Täter-Opfer-Konstellation vorliegen und das Verhalten muss sich über einen längeren Zeitraum kontinuierlich fortsetzen.

Zudem muss es systematisch und zielgerichtet sein und auf die Verletzung des Persönlichkeitsrechts oder der Gesundheit des Betroffenen abzielen“, sagt André Kasten, Arbeitsrechtler bei der Kanzlei Abeln. Der Kollege muss also das klare Ziel vor Augen haben, den Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu drängen. Liegen aber mehrere Monate zwischen den Attacken, halten sie nur über wenige Wochen an oder intrigieren mehrere Kollegen unabhängig voneinander gegen die Person, handelt es sich juristisch meist nicht um Mobbing.

Auch Experten vom Deutschen Gewerkschaftsbund erkennen hinter dem Mobbing in vielen Fällen ein Muster: Zu Beginn steht meist ein ungelöster Konflikt im Raum. Die Mitarbeiter schließen sich gegen den Kollegen zusammen und weisen ihm die Schuld zu, greifen ihn sogar persönlich an. Mit der Zeit werden die Antisympathien immer größer, sodass der Konflikt laut Gewerkschaftsbund in den Hintergrund gerät. Viele Vorgesetzte würden die Situation dem Gewerkschaftsbund zufolge verkennen – und drohen mit Versetzung, Abmahnung oder Kündigung. „Viele Mobbingfälle enden mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, manchmal sogar mit dem Ausscheiden aus der Arbeitswelt“, schreibt die IG Metall in einem Mobbing-Ratgeber. Oft seien psychosomatische Krankheiten oder langfristige Krankschreibungen die Folge, manchmal auch eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit.

Betroffene merken aus Sicht von Karriereexpertin Leitner oftmals als Letzte, dass sie zur Zielscheibe der Kollegen mutiert sind. Ihr Selbstwertgefühl ist angekratzt, sie gehen ungern zur Arbeit – liegen nachts wach, weil ihre Gedanken 24 Stunden um die Arbeit kreisen. Sie werden krank.

Die Krankenversicherungsagentur Pronova BKK hat im März mehr als 1.600 Deutsche zu ihren alltäglichen Arbeitsbelastungen befragt. Mehr als jeder Fünfte gab an, dass ihn Mobbing am Arbeitsplatz belastet – sei es durch den Chef oder die Kollegen. Am weitesten verbreitet ist Mobbing laut Leitner im öffentlichen Dienst und großen Konzernen. „In diesen Unternehmen sind Macht und Geld das Motiv für Mobbing“, sagt die Expertin.

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  • Das habe ich am eigenem Leibe erfahren. Das war eine sehr schlimme Zeit.
    Bin dadurch langfristig krank geworden und habe viele freunde verloren.
    Zum Glück gibt es das Internet, mein Schlüssel zur Kommunikation.

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