Roboter in der Arbeitswelt
Atlas und der Angriff auf die Mittelschicht

Wer in den USA nicht mehr als 20 Dollar pro Stunde verdient, der könnte wohl bald seinen Job an einen Roboter verlieren. Doch auch die Mittelschicht sollte sich wappnen, wie Google gerade eindrucksvoll zeigt.

San Francisco/DüsseldorfAtlas hat einen alles andere als beneidenswerten Arbeitstag. Ohne einen Fetzen Stoff am Leib muss er mit seinem ungelenken Körper über den verschneiten Waldboden marschieren. Anschließend malträtiert ihn sein Vorgesetzter mit dem Hockeyschläger und schnappt ihm immer wieder das schwere Paket weg, dass Atlas eigentlich tragen soll. Schließlich stößt der Chef seinen Untergebenen auch noch über den Haufen. Doch Atlas nimmt das alles hin ohne zu murren, eine Lohnerhöhung zu fordern oder zur Gewerkschaft zu rennen.

Denn Atlas ist die neueste Roboter-Generation der Google-Tochter Boston Dynamics und zeigt seine Fähigkeiten derzeit in einem vielbeachteten Video. Er benötigt keine Kabelverbindung mehr, geht aufrecht und reagiert selbstständig auf sich verändernde Umgebungen. Google demonstriert so, dass Roboter in der Wirtschaft nicht mehr länger nur am Fließband tätig sein müssen. Der 1,75 Meter hohe Atlas könnte in Logistik, Pflege und vielen anderen Branchen eingesetzt werden.

Barack Obama setzt derzeit vor allem auf die Ausbildung, um die Amerikaner in bessere Jobs zu bekommen. Aber wo die Massen an neuen hochbezahlten Arbeitsplätzen herkommen sollen, das sagt der US-Präsident nicht. Abgesehen davon rechnen Wissenschaftler damit, dass diese ohnehin auch bald wegfallen würden.

Der gerade vorgelegte jährliche „Wirtschaftliche Bericht des Präsidenten“ legt schon jetzt eine Aufstockung der amerikanischen Sozialsysteme nahe, um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können. Zum Beispiel eine Lohnaufstockung aus Steuergeldern, wenn ein ehedem Arbeitsloser auch mit einem neu erlernten Beruf nicht genug verdient, um leben zu können.

Doch auch wer gut verdient, sollte sich nicht in Sicherheit wähnen. Der Jobvernichtung im Rahmen der 4. Industriellen Revolution, dem „Industriellen Internet der Dinge“, versuchten Wissenschaftler und Politiker schon auf dem World Economic Forum (WEF) im Januar in Davos auf die Schliche zu kommen.

Ihre Prognose: 5,1 Millionen Jobs weltweit werden in den kommenden Jahren durch Roboter vernichtet werden. Und diese Jobs werden nicht in Entwicklungsländern verschwinden, sondern dort, wo es sich für die Investoren am meisten lohnt: in Nordamerika oder Europa.

Amerika ist sensibilisiert für die sozialen Abgründe, die sich für Normalverdiener auch acht Jahre nach der Wirtschaftskrise auftun. Anders ist auch der überraschende Erfolg des Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders nicht zu erklären. Der selbsternannte „demokratische Sozialist“ liegt mit Ideen wie freiem Studium und Krankenversicherung gleichauf mit seiner Konkurrentin Hillary Clinton.

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