Studie zur Gleichberechtigung
Im Vorstand müssen nicht unbedingt Frauen sein

Deutsche Vorstandsetagen sind trotz Frauenquote nach wie vor Männerdomänen: Nur ein Zehntel der Mitglieder ist weiblich. Doch laut einer Untersuchung scheint der geringe Frauenteil die Mitarbeiter kaum zu stören.
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DüsseldorfTrotz Frauenquote dominieren Männer nach wie vor die Vorstandsetagen deutscher Unternehmen. Von 199 Vorstandsmitgliedern der Dax-30-Unternehmen sind nur 21 Frauen. Doch ob ein Unternehmen sich für Gleichberechtigung einsetzt, machen Arbeitnehmer offenbar nicht anhand der Zahl der Frauen in Vorständen abhängig, wie eine Studie von Kununu zeigt.

Für die Untersuchung hat die Karriereplattform mehr als 17.000 Bewertungen von Arbeitnehmern analysiert, die bei einem der Dax-30-Unternehmen arbeiten. Die aktuellen und ehemaligen Arbeitnehmer bewerteten, ob Frauen die gleichen Aufstiegschancen haben, als Arbeitskräfte geschätzt werden und ob Wiedereinsteigerinnen benachteiligt werden.

Das Ergebnis: Mit SAP, Beiersdorf, Infineon Technologies und Pro Sieben Sat.1 Media führen vier Konzerne das Ranking in der Kategorie Gleichberechtigung an, deren Vorstände ausschließlich mit Männern besetzt sind.

Erst auf dem fünften Platz folgt mit der Deutschen Telekom ein Unternehmen, das mit Claudia Nemat eine Frau im Vorstand hat. Betrachtet man die Top Ten der Rangliste, so ist immerhin in fünf Unternehmen eine Frau im Vorstand vertreten.

Doch je nachdem, ob eine Frau im Vorstand ist, messen die Arbeitnehmer der Gleichberechtigung unterschiedliche Bedeutung zu: Bei Dax-Unternehmen mit weiblichen Vorstandsmitgliedern ist Gleichberechtigung laut Analyse nach dem Kollegenzusammenhalt und dem Gehalt die am drittbesten bewertete Kategorie.

Bei den Konzernen ohne Frauen im Vorstand landet Gleichberechtigung nur an sechster Stelle. Weibliche Vorstände machen ein Unternehmen demnach nicht per se zu besseren Arbeitgebern, geben dem Thema Gleichberechtigung jedoch in der Belegschaft ein anderes Gewicht. „Weibliche Vorstandsmitglieder haben offenbar einen starken symbolischen Effekt, dass Gleichberechtigung im Unternehmen wichtig ist“, sagt Ekkehard Veser, Geschäftsführer von Kununu im deutschsprachigen Raum.

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  • Ein paar Fragen zum Nachdenken:
    Warum sind beim Thema Frauen in Führungspositionen immer Beine zu sehen und keine Köpfe?
    Was ist in den Köpfen derer, die diese Bilder zum Thema passend erachten?
    Wie sollen sich Rollenbilder ändern, wenn man sie mit solchen Darstellungen manifestiert?
    Wie oberflächlich gehen selbst seriöse Artikel mit der Thematik um?
    Warum erkennt man Diskriminierung nicht, wenn man sich ihrer selbst bedient?
    Wie steht es mit der Gleichberechtigung 2016, wenn das bestrumpfte Damenbein auf Pumps ihr Sinnbild ist?

  • Herr Grande
    ihr Beitrag ist vollkommen richtig- nur das Berliner Kasperletheater erlaubt Ministerposten auf Teilzeitniveau mit entsprechnden Ergebnissen von linke bis CDU

  • Der ganze Artikel wie auch die generell Debatte um Frauen in Führungsetagen ist obsolet und absolute Polemik, sehr geehrte Frau Oenning!
    Denn: Wenn gut ausgebildete wie eloquente Frauen einen Job z.B. wie den eines Vorstandes oder Aufsichtsrates ausführen können (fachlich, persönlich, mental, von der Eloquenz und Charakterstärke und ihrem Networking eben auch mit Männern her) sowie dies auch tatsächlich wie nachhaltig wollen und dafür ihre Hand heben und kämpfen (so wie es auch Männer tun müssen, um an einen solchen Job zu kommen), dann steht dem seit vielen Jahren gerade in großen Mittelstandsunternehmen und Großkonzernen (und um diese dreht sich die Diskussion) überhaupt nichts entgegen. Ich arbeite seit 1996 in börsennotierten Aktiengesellschaften in vermeintlichen Männerbranchen wie Wirtschaftsprüfung und Investmentbanking und habe noch nie im Geringsten bemerkt, dass Frauen in Ihrem Weiterkommen behindert wurden, IM GEGENTEIL!
    Vielmehr sind es doch die Frauen, die aus familiären Gründen trotz Topausbildung meist doch lieber stehen bleiben oder aber nach kurzer Zeit wieder aufgeben, weil sie den Druck und das "Alleinsein" auf Dauer nicht ertragen wollen respektive können. Denn lieb gehabt werden wollen hat auf solchen Etagen keine Priorität und eine CEO-Posten als 60%-Stelle (damit dieser zur Kindererziehung passt, gibt es nicht, wird es hoffentlich auch nie geben und das ist gut und richtig so!
    ERGO: Liebe Frauenrechtlerinnen, hört deshalb endlich auf mit dieser blödsinnigen Debatte, denn Ihr grenzt Euch und die, für welche Ihr kämpft, nur selbst aus.
    Will heissen: Die Wirtschaft braucht keine Quoten und deren Kontrolle, sondern sucht sich ihre passenden Führungskräfte selbst. Ganz gleich ob Damen oder Herren. Jeder darf ALLES und verdient dann auch gleich! Zudem dreht sich die Quote in Deutschland um netto weniger als 100 potentielle Stellen und ist auch damit gar nicht der Rede wert!

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