Umfrage mit Erwerbstätigen
Ausreichende Zeitpuffer statt ständiger Erreichbarkeit

Moderne Medien machen es möglich, dass Beschäftigte ständig erreichbar sind. Ständige Erreichbarkeit belastet – Beruf und Privates. Eine Studie rät zu Absprachen mit dem Chef. Ein Anti-Stress-Gesetz könnte auch helfen.
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BerlinZwei Drittel der Erwerbstätigen leisten einer Umfrage zufolge regelmäßig Überstunden. Von diesen 65 Prozent fühlt sich wiederum jeder Fünfte durch die Erwartung des Arbeitgebers belastet, Mehrarbeit leisten zu müssen. Das teilte die von Kranken- und Unfallversicherungen getragene Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) am Mittwoch in Berlin mit.

Von einem Fünftel (22 Prozent) der Befragten wird demnach erwartet, dass sie auch im Privatleben für dienstliche Angelegenheiten zur Verfügung stehen. Diese Erreichbarkeit belaste jeden dritten Betroffenen ziemlich, Folge seien zum Beispiel Erschöpfungszustände. Klare Absprachen und ausreichende Zeitpuffer könnten Abhilfe schaffen, hieß es. Das Bundesarbeitsministerium zeigte sich grundsätzlich offen für Forderungen aus der SPD nach einem Anti-Stress-Gesetz, das die Verfügbarkeit von Arbeitnehmern grundsätzlich regeln soll.

Die Bundesregierung beobachte zwar mit großer Aufmerksamkeit die wachsende Zahl psychischer Erkrankungen. Allerdings reiche der Wissensstand noch nicht aus, um derzeit gesetzliche Regelungen umzusetzen. Gleichwohl wolle man noch in dieser Legislaturperiode zu konkreten Handlungsempfehlungen kommen. Auf deren Basis wolle die Bundesregierung dann prüfen, ob und gegebenenfalls wie dies umzusetzen sei, bekräftigte eine Sprecherin.

Die heutige Arbeitswelt fordert Flexibilität von Unternehmen und Beschäftigten: ständige Erreichbarkeit, Bereitschaft zu Überstunden und häufig wechselnde Aufgaben, heißt es in einer Mitteilung der Versicherer. Erschöpfungszustände und Vereinbarkeitsprobleme kämen häufiger bei Beschäftigten vor, die auch in ihrer Freizeit für ihren Job verfügbar sind.

Etwa 18 Prozent stimmen der Aussage zu, private Aktivitäten wegen der Erreichbarkeit ausfallen zu lassen. 23 Prozent der Befragten fühlen sich aus diesem Grund zu erschöpft, privaten Verpflichtungen nachzukommen. In geringerem Umfang hat ständige Erreichbarkeit auch emotionale Erschöpfung zur Folge.

Allerdings bietet die Umfrage auch positive Erkenntnisse: 81 Prozent der Männer und 80 Prozent der Frauen meinen, dass sie ihre Arbeit fit hält. 79 Prozent der Männer und 84 Prozent der Frauen finden, dass ihre Arbeit ihnen Anerkennung bringt. 86 Prozent aller Befragten empfinden ihre Arbeit als vielseitig und abwechslungsreich. Die Arbeit nimmt im Leben von 61 Prozent der Männer und 68 Prozent der Frauen den richtigen Stellenwert ein. 50 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass sich Privates und Berufliches in einem ausgewogenen Verhältnis befinden. Lediglich 21 Prozent der Befragten würden den Beruf, die Branche oder den Arbeitgeber wechseln, wenn die Möglichkeit bestünde.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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