Der moderne Mann
Walkürenritt im Flughafen-Bus

Herr K. ist gerade am Flughafen gelandet, dann geht es mit dem Bus weiter. Auf das, was er dann erlebt, hätte er lieber verzichtet. In seiner direkten Nachbarschaft machen sich gleich drei Mobiltelefone bemerkbar.
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Flughafen Außenposition, die Maschine ist gerade gelandet. Die Passagiere, überwiegend Geschäftsleute, drängen neben Herrn K. in den bereitgestellten Bus. Der Fahrer schaut, als hätte ihn seine Frau am frühen Morgen verlassen. Dunkle Anzüge, dicht gedrängt. Weihnachtsgeschenk-Herrendüfte.

Der Bus setzt sich derart ruckartig in Bewegung, dass mehrere Hartschalenkoffer und Reisende das Gleichgewicht verlieren. Leise Flüche. Hat der Busfahrer gerade gegrinst? Er wird das Spiel wiederholen, wenn er nachher am Terminal ebenso abrupt bremst. So viel ist sicher.

In den Motorenlärm und Dieselgestank hinein machen sich nacheinander in der direkten Nachbarschaft von Herrn K. drei Mobiltelefone bemerkbar, das erste zu seiner Linken.

Anruf 1: (Hundegebell als Handy-Ton): „Ja, hallo ... hallo? ... Ich kann Sie nicht ... hallo? Aaaah ... Frau äh ... nee ... wie? Ich bin hier in einem ziemlichen Funkloch, deshalb bricht die Leitung immer wieder ab ... Können Sie mich noch ... hallo?“ (Es wird aufgelegt und genuschelt): „Nee, offenbar können Sie mich eben nicht hören. Shit!“ (Wieder der bellende Hund, der Angerufene diesmal noch lauter) „Hallo?! Ja ... Frau äh? Ja, wir waren unterbrochen worden, die Verbindung ist jetzt ein bisschen ... hallo? ... Geht's um den Slowenien-Auftrag? ... Ich kann Sie leider ...“

In dem Moment klingelt rechts neben Herrn K. ein weiteres Telefon.

Anruf 2: (Handyklingelton: Wagners Walkürenritt): „Grüß dich, Pit! ... Genau! ... Ganz meine Rede! ... Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich da eine Entscheidung treffe, die ganz klar von Bodo executed werden muss?! ... Genau! ... Hab' ich Bodo auch gesagt ... Schließlich ist er der Chef ... Höttges? Ha, ha, haaa! Wie kommste jetzt auf Höttges? Der kann doch nicht mal unfallfrei 'nen Espresso bestellen.“

Herr K. versucht wegzuhören, da lärmt direkt vor ihm der dritte Anruf dazwischen: (Handyklingelton Nostalgie-Bimmel, in Managementkreisen derart beliebt, dass drei weitere Umstehende nervös in den Sakkotaschen nach ihren Telefonen nesteln): „Hallo? ... Hmmm ... hiiiiigh Schatz ... schön, dass du anrufst ... Hm ... hm ... hm ... ja klar lieb ich dich ... also hier ist das jetzt schlecht, ich steh noch im Bus ... nee, Honey ... ja, auf dem Rollfeld ... Ich dich doch auch, du ... du ... du, ich kann jetzt nicht so, wie ich will ... Verstehste doch, oder?!“

Links von Herrn K. kläfft schon wieder der Hund. Rechts schreit der junge Mann, der einen gewissen Höttges nicht für allzu durchsetzungsstark hält, so laut in sein Handy, dass Herr K. kaum noch den dritten Mann vor sich verstehen kann, der nun mit einer samtenen Latte-macchiato-Stimme in sein Handy schnauft: „Jaaa, bin gleich da, Babe ... muss nur noch schnell meine Frau anrufen.“

Es gibt Tage, da würde Herr K. lieber Zug fahren. Aber das ist eine andere Geschichte. Und eine andere Kolumne.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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