Der moderne Mann
Was schenkt man IHM zu Weihnachten?

Früher bekam Herr K. liebenswerte Kleinigkeiten zu Weihnachten. Dann wurden die Geschenke teuer und ideenfrei. Herr K. wünscht sich was. Aber was?
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Herr K. ist auf den Satz nicht vorbereitet. Seine Frau feuert ihn ohne jeden Hintergedanken ab, in so einer Tonlage wie: „Kannst du mal den Müll rausbringen?“ In exakt dieser Beiläufigkeit sagt sie nun zu ihm, während sie das Geschirr in die Spülmaschine räumt: „Willst du eigentlich irgendwas zu Weihnachten?“ Auf einmal läuft vor Herrn K.s innerem Auge ein Film ab, gegen den sich das biblische Elend von „Ben Hur“ bis zum letzten Teil von „Der Hobbit“ anfühlt wie ein Möbelhaus-Bällebad. Männer und Weihnachtsgeschenke ... eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte!

Ja, als er noch jung und seine Frau seine Freundin war, bekam Herr K. von ihr liebenswerte Kleinigkeiten. Selbst aufgenommene Musik-Kassetten mit handbemalten Covern. Nichts Teures, wofür man ja auch kein Geld gehabt hätte. Dann entwickelten sich die Kosten der Geschenke umgekehrt proportional zur Kreativität der Schenkenden. Kurz: Es wurde teuer und ideenfrei.

Herr K. bekam so ziemlich alles, was die Luxusgüterindustrie bereithielt: Schals, Socken, Oberhemden, Düfte ... oh Gott, allein die Düfte! Wenn er seiner Frau den Gefallen tat und sich zu Silvester damit einsprühte, rümpfte sie lachend die Nase: „Puh, DAS hab' ICH dir geschenkt?“ Aber auch das war, wie so vieles, nur ein Staubkorn im Mahlstrom der Männermoden.

Zurzeit müsste er sich vielleicht eine Uhr wünschen. Alle Männer tragen wieder Uhren, weil so eine Uhr wohl das einzige Schmuckaccessoire ist, das man sich als arrivierter Mann erlauben darf. Gut, vor ein paar Jahren ließen sich alle im Urlaub von ihren Kindern oder exotischen Teilzeit-Schamaninnen bunte Freundschaftsbändchen ans Handgelenk knoten. Aber seine 16-jährige Tochter macht selbst das geschickter und überreicht Herrn K. gern Gutscheinhefte: „gemeinsamer Spaziergang“, „Frühstück ans Bett für Mama und dich“. Er löst das nie ein. Sie weiß das vorher.

Es gibt Firmen, die aus solchen Gutscheinen mittlerweile ein Geschäftsmodell machen: Bei mydays.de oder jochen-schweizer.de gibt es Iglu-Übernachtungen, Bodyflying oder Canyoning. Was sich hinter den Junggesellenabschieds-Paketen ab 49 Euro verbirgt, wollte Herr K. gar nicht so genau wissen, als er neulich auf die Seiten geriet und irgendwann dachte: Mann, ist das alles anstrengend! Unter-Wasser-Dinner für zwei, Fallschirm-Tandemsprung, Quad-Schnuppertour (wer, bitte, will an einem Quad schnuppern?) - wir könnten alles machen, deshalb machen wir am Ende nichts.

Und dabei weiß Herr K., dass er in puncto Geschenken auch nicht kreativer ist als seine Frau: Vergangenes Jahr bekam sie einen Ring, den sie sich vorher selbst gekauft hatte.

Herr K. blickt leer vor sich hin, als sie nachsetzt: „Hallo? Vielleicht ein paar Hemden?“ Er hört sich antworten: „Super Idee! Würd' ich mich total drüber freuen. Dann muss ich nicht Quad fahren.“ Sie hat es aufgegeben, seine bisweilen rätselhaften Antworten verstehen zu wollen.

Sie erreichen den Autor unter: herr.k@handelsblatt.com

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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