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Britta Heidemann
„Jede schlechte Phase ist irgendwann zu Ende“

Wer mit Elan durchs Leben geht, dem bieten sich viel mehr Möglichkeiten. Trotzdem geht es nicht immer bergauf, weiß Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann. Ein Gastbeitrag über die schlimmste Niederlage ihrer Karriere.
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KölnZu einem glücklichen, erfüllten Leben gehören auch Herausforderungen – und je mehr Spaß wir bei deren Bewältigung haben, desto eher meistern wir sie. Durch das Fechten hat die Olympiasiegerin Britta Heidemann gelernt, dass die innere Einstellung entscheidend ist. Denn wer sein richtiges Tempo findet und mit Druck umgehen kann, bewahrt auch in kritischen Situationen das innere Gleichgewicht. In ihrem Gastbeitrag, den sie für unser Businessnetzwerk Leader.In geschrieben hat, erzählt Britta Heidemann, wie sie mit Niederlagen umgeht und warum die Freude an der eigenen Leistung der Schlüssel zum Glück ist.

Was das Leben so spannend macht? Dass es so unvorhersehbar ist. Vor ein paar Monaten wurde ich bei den Olympischen Spielen in Rio von den teilnehmenden Athleten in die internationale Athletenkommission gewählt, um als Stimme der Athleten an der Olympischen Bewegung mitzuwirken. Gerade erst komme ich zurück aus Lausanne vom Internationalen Olympischen Komitee, wo ich einen Einblick in die unterschiedlichen Aufgaben bekommen habe, die in den nächsten acht Jahren auf mich zukommen. Vor ein paar Jahren noch hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal in die internationale Sportpolitik gehen würde, dass ich Autorin von zwei Büchern sein oder beruflich Vorträge zu meinen Erfahrungen aus dem Spitzensport halten würde.

Eine Grundüberzeugung von mir ist: Chancen erarbeitet man sich, und wer offenen Auges und mit Elan durchs Leben schreitet, dem bieten sich ganz einfach mehr Möglichkeiten. Trotzdem geht es nicht immer nur bergauf. Auf der Fechtbahn ist es nämlich wie im echten Leben: Es gibt emotionale Höhenflüge ebenso wie Momente der totalen Verzweiflung. Bei den Weltmeisterschaften 2011 in Catania beispielsweise lief alles schief und bescherte mir die schlimmste Niederlage meiner Karriere.

Noch heute erinnere ich mich an diese bitteren Stunden, als sei es erst gestern gewesen. Nach dem Ende der Vorkämpfe war ich wie benebelt. Apathisch saß ich, immer noch schwitzend von der Anstrengung der vorangegangenen Gefechte, in der deutschen Teambox. Ich konnte nicht fassen, was gerade passiert war: Von sechs Gefechten hatte ich nur eines gewonnen! Den ganzen Morgen stand ich neben mir und hatte mir gewünscht, überhaupt nicht hier zu sein. Die Ergebnisse der Vorkämpfe wurden auf den Aushängen am anderen Ende der Halle angeschlagen. Wie ferngesteuert stand ich auf und schlich mich hinüber – mit der dumpfen Hoffnung, es möge doch durch ein Wunder irgendwie gereicht haben, um die nächste Runde der besten Vierundsechzig zu erreichen.

Mein Körper gehorchte mir kaum, jeder Schritt war ein Kampf, meine Beine waren schwer wie Blei. Ich näherte mich der Tafel, wo sich schon eine Traube aus Fechterinnen und Trainern versammelt hatte. Aus dem Augenwinkel nahm ich die Blicke der deutschen Presse wahr, die in der Nähe stand. Ich hielt unwillkürlich die Luft an, während ich auf die Ergebnisliste schaute und nach meinem Namen suchte. Dann sah ich es: Heidemann – Platz 126. Natürlich hatte es nicht gereicht!

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