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Flexibles Arbeiten
Mit Teilzeit in den Chefsessel

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Gute Startvoraussetzungen

Dabei bringen Frauen gute Startvoraussetzungen mit, um ganz nach oben zu kommen. Sie machen häufiger Abitur als Männer. Und knapp jeder zweite Hochschulabsolvent in Deutschland ist weiblich. Doch irgendwann im Beruf schlägt dann die Karrierebremse zu, meist wenn sich Nachwuchs einstellt. Denn es sind in erster Linie immer noch die Frauen, die sich dann um die Kinder kümmern und dafür im Beruf zurückstecken.

Das ist aus Sicht von „Chefsache“ aber längst nicht mehr zeitgemäß. „Die aufstrebende Führungsriege der Generation Y, egal ob weiblich oder männlich, erwartet eine größere Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und individuellere Work-Life-Balance“, heißt es im Bericht weiter. Wunsch und Realität liegen aber, gerade wenn es um die Top-Positionen geht, noch weit auseinander. „Präsenzkultur und Vollzeiteinsatz sind in deutschen Führungsetagen noch immer gang und gäbe, auch wenn sie nicht der heutigen Lebensrealität vor allem der weiblichen Führungskräfte entsprechen“, kritisiert das Netzwerk.

Die Gründe, warum flexiblere Arbeitszeitmodelle in den Führungsetagen Seltenheitswert haben, sind vielfältig. Zuweilen stehen einfach veraltete IT-Systeme der Arbeit im Homeoffice entgegen. Die Scheu vor höheren Personalkosten lässt Chefs davor zurückschrecken, Führungsjobs unter zwei Teilzeitbeschäftigten aufzuteilen. Das entscheidendere Hindernis ist aber oft eine antiquierte Führungskultur. Und nicht selten stehen sich Führungskräfte, die eigentlich flexibler arbeiten wollen, auch selbst im Weg, weil sie einer „tradierten Vorstellung von Karriere“ anhängen, heißt es in dem Bericht.  

So sehen nach einer Studie des Führungskräfte Instituts aus dem vergangenen Jahr 38 Prozent der Führungskräfte flexible Arbeit als karriereschädlich an. Und von „Chefsache“ interviewte Frauen gaben an, dass sie ihre reduzierte Vollzeit lediglich als flexible Vollzeit nutzen. Sie reduzieren dabei de facto nicht ihre Stunden, haben aber das Gefühl, es sich in diesem Modell „erlauben zu können“, das Büro zum Beispiel am Nachmittag zu verlassen, um sich um ihre Kinder kümmern zu können.

Entsprechend selten sind mobiles Arbeiten, reduzierte Vollzeit oder Jobsharing in deutschen Chefetagen verbreitet. Obwohl 82,1 der Führungskräfte die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, wählen nur 14,9 Prozent tatsächlich diese Option, wie die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft ermittelt hat. Während von den weiblichen Managern 29,5 Prozent kürzer arbeiten, sind es bei ihren männlichen Kollegen nur 7,4 Prozent.

Ähnlich sieht es beim Jobsharing aus, also der Möglichkeit, sich eine Führungsposition zu teilen. Während 26,9 Prozent aller Unternehmen diese Arbeitszeitform anbieten, entscheidet sich mit 1,3 Prozent nur ein verschwindend kleiner Anteil der Führungskräfte dafür. Die Nutzung des Homeoffice ist in sieben von zehn Unternehmen theoretisch möglich, aber nur 37,5 der Führungskräfte nutzen die Option.

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