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Zufriedenheit im Job
Warum die Deutschen ihre Firma nicht lieben

Ein Großteil der Deutschen macht nur Dienst nach Vorschrift. Das kostet die Wirtschaft jährlich Milliarden. Dass so viele Mitarbeiter sich ihrem Unternehmen nicht verbunden fühlen, hat vor allem einen Grund.
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DüsseldorfEs sieht nicht gut aus für deutsche Unternehmen. Denn die meisten Mitarbeiter fühlen sich an ihren Arbeitgeber emotional nicht gebunden. Laut einer Studie haben 85 Prozent der befragten Arbeitnehmer keine oder nur eine geringe Bindung an ihr Unternehmen. Und die innere Kündigung kostet: zwischen 80,3 und 105,1 Milliarden Euro jährlich – zum Beispiel, weil Angestellte so keine Höchstleistungen bringen. Schuld daran sind vor allem schlechte Chefs.

Einmal im Jahr veröffentlicht das Beratungsunternehmen Gallup seinen „Engagement Index“. Die repräsentative Studie geht der Frage nach: Wie sehr fühlen sich Mitarbeiter in Deutschland an ihr Unternehmen emotional gebunden? Und welchen Anteil hat das Führungsverhalten der Chefs daran? 1413 Mitarbeiter ab 18 Jahren befragte das Unternehmen dazu. Das Ergebnis: Ob ein Angestellter sein Unternehmen liebt oder nicht, liegt vor allem an den Chefs. Beispielsweise haben 45 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr darüber nachgedacht, wegen ihres schlechten Chefs den Job zu wechseln.

Schicke Büros oder Aufenthaltsräume wie bei Google & Co. können zwar das Wohlbefinden der Mitarbeiter steigern, für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung reicht das aber nicht. „Damit jemand mit Hand und Herz dabei ist, müssen die Grundbedürfnisse befriedigt sein“, sagt Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup. Mitarbeiter wünschten sich vor allem Klarheit über die Aufgaben im Job und Wertschätzung.

Das zeigen auch die häufigsten Antworten der befragten Angestellten: Für sie ist der wichtigste Faktor für eine Bindung ans Unternehmen, das zu tun, was die Person richtig gut kann. Dann folgt die Führungskraft. Außerdem wichtig: eine herausfordernde und abwechslungsreiche Tätigkeit, die Kollegen und die Unternehmensphilosophie. Auf den letzten Plätzen für die emotionale Bindung ans Unternehmen ist laut Umfrage die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die Bezahlung oder die Anzahl der Urlaubstage.

Doch eben genau bei den Punkten, die die emotionale Bindung fördern, hakt es laut Gallup-Studie in der Praxis oft. 56 Prozent haben demnach in den vergangenen zwölf Monaten ein Gespräch mit dem Vorgesetzen über die Leistung geführt. Doch das reiche bei Weitem nicht aus, sagt Marco Nink. Positiv auf die Mitarbeiterbindung wirke sich erst ein regelmäßiges Feedback aus, so dass der Mitarbeiter sich zeitnah verbessern könne, sagt Nink. Je besser und häufiger das konstruktive Feedback, desto besser die Bindung.

Nicht immer bemisst die Forschung dem Führungsverhalten eine so hohe Bedeutung zu wie die Gallup-Studie. Der Chef sei nur „ein Teil des Ganzen“, sagt Stefanie Wolter, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg der dpa. Schaue man sich an, was wechselwilligen Beschäftigten wichtig ist, stünden andere Dinge ganz oben: „Bessere Bezahlung, Zusatzleistungen, veränderte Arbeitsinhalte, Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten und erst danach kommt der Chef“, sagt Wolter.

Widerspruch kommt auch der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). „Die Befragung geht weit an der betrieblichen Realität hierzulande vorbei“, sagt ein Sprecher. „Deutschland verzeichnet auch im internationalen Vergleich Spitzenwerte bei der Arbeitszufriedenheit.“

Zwar sieht die Gallup-Studie vor allem die schlechten Chefs als ausschlaggebenden Faktor für die fehlende Mitarbeiterbindung. Doch Schuld ist auch das System: „In Deutschland gibt es eine Defizitorientierung“, sagt Nink. „Das beginnt schon in der Schule.“ Statt das zu fördern, was das Kind besonders gut kann, gebe es Nachhilfe im in den Fächern, in denen das Kind Lücken hat. Genauso sei es im Job. „Mitarbeiter werden nicht genug gefördert, das zu tun, was sie richtig können. Und so werden sie keine Höchstleistungen erzielen.“

Kommentare zu " Zufriedenheit im Job: Warum die Deutschen ihre Firma nicht lieben"

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  • Fortsetzung (Teil 2/2):

    Wie sehr fühlen sich Mitarbeiter in Deutschland an ihr Unternehmen emotional gebunden? Und welchen Anteil hat das Führungsverhalten der Chefs daran? die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die Bezahlung oder die Anzahl der Urlaubstage. Das Ergebnis: Ob ein Angestellter sein Unternehmen liebt oder nicht, liegt vor allem an den Chefs. Beispielsweise haben 45 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr darüber nachgedacht, wegen ihres schlechten Chefs den Job zu wechseln.“

    Apropos "Defizitorientierung":

    Deckt sich auch mit meiner Erfahrung, dass Menschen, die erst einmal genug Erfolgserlebnisse gehabt haben - und damit ein stabileres Selbstvertrauen, auf dem sie aufbauen können - dann sehr oft von selbst den Wunsch haben, sich näher auch mit den Dingen zu befassen, von denen sie glauben (oder von denen ihnen dies eingeredet wurde), dass sie davon keine Ahnung haben.

    So nach dem Motto: "Das wollen wir doch mal sehen."

  • @Frau Edelgard Kah, 22.03.2017, 17:11 Uhr

    „Es gibt keine Chefs, die ihre Mitarbeiter motivieren. Es gibt nur solche, die sehr stark demotivieren und andere, die weniger stark demotivieren. Demnach käme es darauf an, dass der Chef so viel wie möglich an Verantwortung an den Mitarbeiter delegiert, so wenig wie möglich in Erscheinung tritt und nur in einem unumgänglichen Maß die notwendige Kontrolle ausübt.“

    Das hört sich wirklich sehr überzeugend (und vor allem praxisnah) an.


    Vor dem Hintergrund der Aussage der Gallup-Mitarbeiterin: „In Deutschland gibt es eine Defizitorientierung“ erscheint es auch absolut plausibel, dass es dann das Beste ist, den Mitarbeitern etwas zuzutrauen und sie ansonsten einfach in Ruhe ihre Arbeit machen zu lassen

    Siehe auch: "Das zeigen auch die häufigsten Antworten der befragten Angestellten: Für sie ist der wichtigste Faktor für eine Bindung ans Unternehmen, das zu tun, was die Person richtig gut kann.“


    In diesem Zusammenhang ist der Widerspruch zwischen den Ergebnissen der Gallup-Studie* und den Forschungsergebnissen der wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, insbesondere aber der Behauptung des Sprechers der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) schon sehr interessant.

    Und wirft die Frage nach der Methodik bei deren Studien auf. Und zur Aussage des BDA „Deutschland verzeichnet auch im internationalen Vergleich Spitzenwerte bei der Arbeitszufriedenheit.“: Es ist eben alles relativ.

    Zu * (ich stell‘ den Text des Artikels zur Verdeutlichung mal ein bisschen um):

    „Auf den letzten Plätzen für die emotionale Bindung ans Unternehmen ist laut Umfrage des Beratungsunternehmens Gallup, das für seinen jährlichen „Engagement Index“ in einer repräsentativen(!) Studie - durch Befragung von 1413 Mitarbeitern ab 18 Jahren – der Frage nachgegangen ist: (Teil 2/2 folgt!)

  • Sehr geehrte Frau Freund,

    natürlich sind "schlechte Chefs" ein ganz wichtiger Faktor der Demotivierung. Diese Erkenntnis ist wirklich nicht neu. Aber die Frage ist, wie man aus einem "schlechten" Chef einen "guten" machen soll. Zu diesem Thema sind unzählige Bücher (Managementlehren) geschrieben worden. Anscheinend ohne Erfolg.

    Ein Kollege, der sich einige Jahrzehnte mit Unternehmensberatung befaßte, sagte mir als Quintessenz seiner Berufserfahrung: Es gibt keine Chefs, die ihre Mitarbeiter motivieren. Es gibt nur solche, die sehr stark demotivieren und andere, die weniger stark demotivieren. Demnach käme es darauf an, dass der Chef so viel wie möglich an Verantwortung an den Mitarbeiter delegiert, so wenig wie möglich in Erscheinung tritt und nur in einem unumgänglichen Maß die notwendige Kontrolle ausübt.

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