Deutsche Bahn
Schwankende Doppelstock-ICs werden umgerüstet

Mit einem unbequemen Wanken fiel der neue Doppelstock-IC zum Start vor einem Jahr auf. Mit einer Anpassung des Fahrwerks behebt die Bahn derzeit das Problem. Der Zug soll mehr Regionen ans IC-Netz anschließen.
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HannoverVom Sorgenkind zum Hoffnungsträger: Als der neue Intercity 2 vor einem Jahr an den Start ging, gab es prompt Klagen von Reisenden über ein unbequemes Wanken des Doppelstock-Zuges. Gleich mussten Bahn und Hersteller über Anpassungen an dem IC grübeln, der bis zu 40 Jahre alte Waggons ablösen und einen Modernisierungsschub aufs Gleis bringen sollte. Bis Februar sollen nun alle Züge umgerüstet und das Wanken behoben sein. Befragungen zeigen, dass der Zug bei den Reisenden ansonsten gut ankommt. Das ist wichtig, denn die Bahn setzt bei ihrer Offensive zum Ausbau des Fernverkehrs auch auf den IC2.

Zwar wurde der neue Zug ausführlich getestet, ehe er an den Start ging. Da das Wanken aber nur auf 0,2 Prozent der Einsatzstrecke auftrete, und dies nicht bei jeder Witterung, sei es schlicht nicht aufgefallen, erläutert DB-Produktmanager Mathias Semrau. Selbst bei der S-Bahn Dresden wurde das neue Fahrwerk des Zuges testweise eingesetzt - Probleme gab es nicht. Zwar stelle das Wanken, das auf dem längsten Abschnitt eine Minute andauert, kein Sicherheitsproblem dar, erklärt Semrau. „Als wir die ängstlichen Blicke mancher Reisenden sahen, war aber klar, das muss man abstellen.“ Die Techniker begannen zu tüfteln.

Eine leicht veränderte Lauffläche der Räder ist nun die Lösung. Bei 7 von 24 Zügen ist bereits ein neues Radprofil aufgedreht worden. Bis Ende 2017 soll die Federung der Züge außerdem neu eingestellt werden, um den Komfort zu erhöhen. Wie der Hersteller Bombardier mitteilte, wurden die Veränderungen an den Rädern mit Erfolg an zwei Zügen getestet. Ab Frühjahr 2017 werden bei den turnusgemäßen Werkstattstopps der Züge auch die Dämpfer der Federung angepasst. Zuvor war auf einem besonders betroffenen Abschnitt zwischen Leipzig und Halle vorübergehend das Tempo der Züge reduziert worden.

Nachdem es über Jahre Kürzungen im IC-Netz gab, wolle die Bahn künftig wieder stärker die Regionen mit Städten ab 100 000 Einwohner anbinden, erläutert DB-Projektleiterin Heike Junge. Ein Baustein dafür sei der IC2, der von den Instandhaltungskosten günstig sei und wegen der Doppelstockwagen auch nicht so lang, was Halte an kleineren Stationen mit kürzeren Bahnsteigen erlaube.

Ein Erfolgsbeispiel gibt es bereits: Die größere Wirtschaftlichkeit des neuen Zuges habe es ermöglicht, die von der Einstellung bedrohte IC-Linie von Bremen über Oldenburg und Emden nach Norddeich am Netz zu lassen, sagt Junge. Alle zwei Stunden pendelt jetzt der von Leipzig und Hannover kommende IC bis zur Nordseeküste. Da abseits der Urlaubssaison früher so manches Abteil leer blieb, entschied das Land Niedersachsen, die Züge auch für Pendler mit Regionalbahntickets zugänglich zu machen. Sie zahlt dafür eine Kompensation an die Bahn, für die die Linie damit aus den roten Zahlen kommt. Auf dieses Modell wird auch bei der künftigen Anbindung anderer Regionen gesetzt.

Neben der Linie nach Norddeich pendelt der IC2 derzeit auch auf der Strecke Dresden-Hannover-Köln. Von Ende 2017 an sollen weitere 17 Züge auf den Strecken Stuttgart-Singen-Zürich und Karlsruhe-Stuttgart-Nürnberg zum Einsatz kommen. Auch die vorübergehend bereits befahrene Strecke Köln-Münster-Norddeich sowie die Linie von Köln über Kassel nach Gera sollen später hinzukommen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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