Deutsche Börse und LSE
Börsen-Fusion steht vor dem Aus

Die Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange droht zu scheitern. Die LSE wehrt sich gegen den aus Brüssel geforderten Verkauf weiterer Geschäftsbereiche. Die Märkte reagieren deutlich.
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FrankfurtDie geplante Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) wird aller Voraussicht nach scheitern. Die LSE teilte am Sonntagabend mit, dass die EU-Kommission von ihr den Verkauf weiterer Geschäftsbereiche gefordert habe, um grünes Licht für den gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss zu geben. Das Unternehmen sei dazu jedoch nicht bereit. „Basierend auf der aktuellen Position der Kommission geht die LSE davon aus, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Kommission die Fusion genehmigen wird.“

Damit würde der fünfte Versuch scheitern, beide Unternehmen zu verschmelzen. Zwei mal waren Sondierungsgespräche bereits beendet worden, bevor sie öffentlich bekanntwurden. Die Deutsche Börse wurde von der LSE-Entscheidung Insidern zufolge überrascht. „Damit ist das Ding wahrscheinlich gegessen“, sagte eine mit der Fusion vertraute Person.

Die Aktienkurse reagierten am Montag deutlich. Die Papiere der Deutschen Börse lagen 4,6 Prozent im Minus und waren mit Abstand das Schlusslicht im Dax. Auch die LSE verlor mehr als 3 Prozent.

Beide Unternehmen hatten vor einem Jahr nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt, dass sie über einen Zusammenschluss verhandeln. Damit wollten sie einen europäischen Champion schaffen, der den großen US-Rivalen CME und ICE das Wasser reichen kann. In Deutschland gab es jedoch von Anfang an Kritik an dem Deal, weil die Holdinggesellschaft der Mega-Börse in London angesiedelt werden sollte. Nach dem Brexit-Votum nahm der Gegenwind für beide Unternehmen zu. Das Land Hessen machte deutlich, dass der Holdingsitz nun von London nach Frankfurt verlagert werden müsse. Die hessische Börsenaufsicht hätte nach der EU ebenfalls noch grünes Licht für den Deal geben müssen.

Dass der Zusammenschluss nun vermutlich schon am Veto aus Brüssel scheitert, kommt für viele Experten überraschend. Die LSE hatte bereits vor einiger Zeit angeboten, ihr Abwicklungshaus Clearnet SA im Falle einer Fusion für 510 Millionen Euro an die in Paris beheimatete Mehrländerbörse Euronext zu verkaufen. Die EU teilte der LSE nach einer Befragung von Marktteilnehmern kürzlich zwar mit, dass der Verkauf von Clearnet nicht ausreicht und forderte weitere Zugeständnisse. In Frankfurt und Brüssel waren viele mit der Fusion vertraute Personen jedoch davon ausgegangen, dass die LSE dazu bereit sei.

Die EU-Kommission habe die LSE aufgefordert, ihre Mehrheitsbeteiligung an der italienischen Handelsplattform MTS aufzugeben, die im Geschäft mit europäischen Staatsanleihen und anderen Bonds aktiv ist, wie die Londoner mitteilten. MTS für sich trage zwar nicht wesentlich zu den Erträgen der LSE bei, das gesamte italienische Geschäft aber sehr wohl.

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