Gesundheitswesen
US-Sparpläne belasten Fresenius Medical Care

Die Sparpläne sind heftiger, als es die Blutwäsche Anbieter erwartet haben. Um 9,4 Prozent soll die Erstattung gesenkt werden. Eine US-Lobby-Gruppe warnt vor drastischen Kürzungen. Entschieden sind diese noch nicht.
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FrankfurtSparpläne der US-Krankenversicherung könnten Fresenius Medical Care (FMC) hart treffen: Medicare und Medicaid wollen ihre Kosten für die Blutwäsche chronisch Nierenkranker senken. Die USA sind mit Abstand der größte Markt für den Dialyse-Konzern FMC, der in Nordamerika gut 2.000 eigene Dialysekliniken betreibt. Sinkende Erstattungen pro Behandlung in den USA wirken sich stark auf die Gewinnentwicklung aus.

FMC-Aktien fielen in der Spitze um 10,5 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Monats-Tief von 48,75 Euro. In ihrem Sog büßten auch die Aktien der Muttergesellschaft Fresenius 3,9 Prozent ein. Die Aktien des amerikanischen Rivalen DaVita büßten im US-Handel ebenfalls 4,5 Prozent ein.

Wie aus einer Mitteilung der staatlichen amerikanischen Gesundheitsversicherungen Medicare und Medicaid vom späten Montagabend hervorgeht, sollen die Erstattungen im kommenden Jahr um 9,4 Prozent gekürzt werden. Zwar sind dies zunächst nur Vorschläge, die als Verhandlungsgrundlage dienen. Erst im November wird mit einer endgültigen Entscheidung gerechnet. Die vorgeschlagenen Kürzungen fallen aber deutlich größer aus als von Branchenexperten erwartet.

"Unser erster Eindruck ist, dass Kosten und Preise nicht angemessen berücksichtigt wurden", sagte ein FMC-Sprecher. Das Unternehmen müsse den Entwurf zunächst im Detail prüfen, da er sehr umfangreich sei. Firmen der Branche haben dem Sprecher zufolge 60 Tage Zeit, sich zu den Plänen zu äußern.

Laut der amerikanischen Lobby-Gruppe Kidney Care Partners (KCP), die Patienten, Dialyse-Ärzte und Blutwäsche-Anbieter vertritt, erhalten derzeit 85 Prozent aller 400.000 Amerikaner, die auf eine Dialyse angewiesen sind, Unterstützung über die staatliche Medicare-Versicherung. KCP-Vorsitzender Ron Kuerbitz warnte vor zu drastischen Einschnitten. "In dieser Größenordnung gehen die geplanten Kürzungen einfach zu weit", erklärte Kuerbitz. Denn Dialyse-Anbieter hätten noch immer mit den Kürzungen im Dialyse-Programm der vergangenen Jahre zu kämpfen.

Die vorgesehenen Einsparungen lägen um ein Vielfaches über seinen Erwartungen, schrieb DZ Bank-Analyst Sven Kürten in einem Kommentar. Die Vorschläge würden eine Kürzung um 23 Dollar pro Dialyse-Behandlung zur Folge haben. Es sei aber im Vorfeld nur mit rund fünf Dollar gerechnet worden. Er gehe zwar davon aus, dass die Pläne noch abgemildert würden, dennoch müsse mit einer deutlichen Senkung der Analystenprognosen gerechnet werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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