Interconti-Hotel in Davos
„Goldenes Ei“ wird zum luxuriösen Reinfall

Ein Spa über 1200 Quadratmeter, drei Restaurants und mehr als 200 Zimmer: Das Davoser Interconti-Hotel strotzt vor Luxus. Doch nach nur einem halben Jahr ist der Pächter pleite. Das macht auch der Credit Suisse Probleme.
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DüsseldorfNur 40 Prozent Auslastung und jetzt ist auch noch der Betreiber insolvent: Nicht einmal ein halbes Jahr nach der Eröffnung steht das Luxushotel Intercontinental im schweizerischen Davos vor einem Berg von Problemen. Eigentümer des Protzbaus, den der Volksmund „Goldenes Ei“ taufte, ist der Immobilienfonds der Credit Suisse „CS Real Estate Fund Hospitality“: Die Schweizer Großbank steckt mittendrin im Schlamassel.

Am Montagnachmittag präsentierte die Credit Suisse (CS) mit der Davoser Weriwald zwar schnell einen neuen Pächter, die das Hotel weiterbetreibt. Ob dieser die Probleme des Luxusunterkunft lösen kann, erscheint aber fraglich. Denn neben der geringen Auslastungsquote soll auch erst knapp die Hälfte der 38 Wohnungen verkauft worden sein, die das Gebäude beherbergt. Solche Appartements werden gerne zur Teilfinanzierung großer Hotelbauten genutzt.

Der Verwaltungsratschef des bisherigen Pächters Stilli Park hat für das „Goldene Ei“ nur wenig Hoffnung: Grund für die Pleite sei der „Misserfolg des Objekts“, sagte Martin Buchli der Schweizer Nachrichtenagentur sda. Die kurze Geschichte des Luxushotels ist geprägt von Pannen. Ursprünglich für Anfang November vergangenen Jahres geplant, wurde das Intercontinental erst kurz vor Weihnachten eröffnet. Zuvor hatte es einen großen Wasserschaden gegeben.

155 Millionen Franken (rund 125 Millionen Euro) hat der Credit-Suisse-Immobilienfonds in das Hotel gesteckt. Stilli Park pachtete es vom Fonds und gab das Management der Luxusherberge an die Intercontinental-Gruppe ab.

Der Schweizer Parlamentarier This Jenny, der ebenfalls im Verwaltungsrat von Stilli Park sitzt, übt Kritik am Betreiber. „Das konnte nie gut gehen“, sagte Jenny der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“, der das Hotel mit seiner Baufirma hochgezogen hat. Die Unterkunft werde nicht richtig geführt: „Die Interconti-Leute spielen sich auf wie Zaren, sie haben mehr Personal als Gäste.“

Auch an der Credit Suisse lässt er kein gutes Haar. Die fixe Pacht habe doppelt so hoch gelegen wie die Einnahmen. Stilli sei auf den Verlusten sitzen geblieben. „Die Firma war ein reiner Durchlauferhitzer der CS“, sagte Jenny. „Wäre Stilli ein Oligarch, wäre das ein sensationeller Vertrag für die CS. Aber die Bank hätte wissen müssen, dass das nicht funktioniert.“

Bei den geringen Buchungszahlen stellen andere im Ort des Weltwirtschaftsgipfels die Frage, inwieweit sich ein Luxushotel wie das „Goldene Ei“ in Davos noch rentiert. Der Hotelier des bekannten „Zauberberg“-Hotels, Pius App, kritisiert die Tourismus-Behörde. Man konzentriere sich nur auf die Jungen, sagte App dem „Blick“. „Die 5-Sterne-Gäste hat man mit dem Marketing selber abgeschafft.“

Doch ganz in Frage stellen wird die Credit Suisse ihr Millionenprojekt erst einmal nicht. Der Betrieb geht weiter – auf das endlich mehr Gäste kommen. Die „Credit Suisse braucht einfach einen neuen Durchlauferhitzer“, sagt This Jenny.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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