Krankenhausreport
2015 droht das große Kliniksterben

Der Krankenhausreport untermauert die schlechte Lage der Kliniken mit Zahlen: Jedes zweite Krankenhaus hat nicht genug Geld für Investitionen. Wenn sich nichts ändert, droht 2015 fast jeder fünften Klinik die Insolvenz.
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FrankfurtDie wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser verschlechtert sich zusehends. Zwar lindert der Milliardenzuschuss, den noch die schwarz-gelbe Bundesregierung im vergangenen Sommer für die rund 2000 Kliniken in Deutschland beschloss, die aktuelle Lage. Aber schon 2015 droht fast jeder fünften Klinik die Insolvenz. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Krankenhaus-Rating-Reports, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

„Die Kliniken müssen weitere Fortschritte bei der Produktivität erzielen. Sowohl auf der Ebene des einzelnen Krankenhauses, als auch mit Blick auf die gesamte Versorgungsstruktur. Denn ab 2015 steigen die Kosten wieder schneller als die Einnahmen“, sagt Sebastian Krolop, Partner der Unternehmensberatung Accenture und einer der Autoren des Reports.

Viele Branchenexperten kritisieren seit Jahren, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gibt. Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte sich unlängst dafür ausgesprochen, in Deutschland Klinikbetten abzubauen. Denn im Jahresdurchschnitt sind nur 77 Prozent der knapp über 500.000 Krankenhausbetten belegt, und das trotz steigender Patientenzahlen.

Politisch ist die Forderung indes nur schwer durchzusetzen. Kaum ein öffentliches Krankenhaus ist in den vergangenen Jahren geschlossen worden. Schwer haben es vor allem kleine Kliniken mit bis zu 100 Betten, die sich auch nicht durch eine besondere Spezialisierung auszeichnen. Und auch einige in Ballungsräumen wie Berlin oder im Rhein-Main-Gebiet, wo die Krankenhausdichte hoch ist.

Die Überkapazitäten schlagen sich in schlechten Ergebnissen vieler Häuser nieder: Rund 40 Prozent der Kliniken in Deutschland machen laut Rating-Report Verlust, nicht einmal die Hälfte der Häuser war zu Investitionen in der Lage. Das haben die Autoren auf Basis von fast 1000 Jahresabschlüssen aus den Jahren 2011 und 2012 analysiert. Der Report ist ein Gemeinschaftswerk vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), der Unternehmensberatung Accenture und dem Institute for Health Care Business.

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