Lünendonk-Liste
Warum Bilfinger gut aufgestellt ist

Bilfinger schafft es im Ranking der Marktanalysten Lünendonk auf Platz eins. Das ist noch kein Grund zum Jubeln, denn die Umsätze sind gesunken. Ein Experte erklärt, warum das Unternehmen dennoch auf einem guten Weg ist.
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DüsseldorfDie gute Nachricht: Der Industriedienstleister Bilfinger schafft es diese Jahr auf Platz eins im Ranking der Marktanalysten Lünendonk. Mit 4,2 Milliarden Euro erzielte das Unternehmen den höchsten Umsatz in der Branche. Das ist zwar erfreulich, aber nicht ganz so besonders, wie es klingt.

Denn erstens behauptet das Unternehmen seinen Spitzenplatz seit 2008. Und zweitens sagt die Platzierung über die Umsatzgröße nur bedingt Gutes aus. Denn der Industriedienstleister hat in den vergangenen Jahren massive Einbußen des Umsatzes hinnehmen müssen. Prozentual sank der Erlös um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2012 lag der er noch fast doppelt so hoch bei 8,34 Milliarden Euro. Das Ranking allein ist für Bilfinger also kein Grund zum Jubeln.

Bilfinger ist in der Branche keine Ausnahme. Denn insgesamt stagniert der Umsatz der großen Industriedienstleister, zeigt die Studie. Doch Bilfinger habe eine „eindeutige Kompetenz“, sagt Thomas Ball, Leiter der Studie bei Lünendonk. Während die meisten Unternehmen in der Industriedienstleister-Branche spezialisiert seien auf einen Bereich wie Wartung oder Rohrbau, sei Bilfinger ein Allrounder und „das Unternehmen, das am besten aufgestellt ist“. Ob das ausreiche, um das Wachstum anzutreiben, weiß er nicht. Doch: „Die Positionierung und die Größe sind Bilfingers Alleinstellungsmerkmal“ sagt Ball.

Das Geschäftsvolumen für die auf Instandhaltung spezialisierten Anbieter werden in Deutschland auf rund 19 Milliarden Euro geschätzt. Doch viele Unternehmen investieren selbst in die Instandhaltung ihrer Anlagen – ohne einen Dienstleister wie Bilfinger zu beauftragen. Zusammen mit den Eigen-Instandsetzungen beläuft sich das Markt-Volumen auf rund 90 Milliarden Euro. Und genau dort liegt die große Chance für Bilfinger.

Denn abgefragt wurden bei den Unternehmen auch, welche Themen für sie am dringlichsten sind. Heraus kam: Fachkräftemangel und Digitalisierung sind die Sorgenkinder der Branche. „Wer hier als Dienstleister eine Antwort findet und Lösungen für die Unternehmen anbieten kann, gewinnt“, sagt Lünendonk-Experte Ball. Der Bedarf sei groß, denn viele mittelständische Unternehmen seien noch nicht richtig aufgestellt. Dort sieht er Bilfinger auf dem richtigen Weg, weil das Unternehmen im Bereich der Digitalisierung schon recht weit sei und das entsprechende Know-how und Dienstleistungen anbieten könne.

Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Teil der im Februar von Bilfinger-CEO Thomas Blades ausgerufenen neuen Strategie, um den Konzern wieder in die Gewinnzone zu führen. Sie soll dazu beitragen, aus einem Sammelsurium an Unternehmen unter der Bilfinger-Dach eine Marke zu machen.

Deshalb gibt es seit März einen Digitalchef, Franz Xaver Braun, der das Thema zentral vorantreiben soll. Erste digitale Lösungen kann Bilfinger schon anbieten. „Vibracheck“ misst zum Beispiel an Anlagen Schwingungen, die Daten werden dann per Mobilfunknetz gesendet, ein Techniker vor Ort wird überflüssig.

Auch die gerade hervorgebrachte Gewinnwarnung von Bilfinger-Chef Thomas Blades für 2017 lässt Ball nicht zweifeln, denn das Unternehmen habe immer noch einen guten Ruf in der Branche. Die Gewinnwarnung war wegen Altprojekten in den USA nötig geworden. Dort hatten sich Aufträge verzögert, nun wird es wohl zu einem Rechtsstreit vor Gericht kommen. Blades zog die Notbremse, Bilfinger bildet nun Rückstellungen, doch Gewinn wird das Unternehmen dieses Jahr nicht mehr machen.

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