Paris und Lyon
Wütende Taxifahrer greifen US-Konkurrenz an

Französische Straßen können ein gefährliches Pflaster sein – das gilt auch für private Chauffeurdienste. In Paris und Lyon wurden Fahrzeuge des US-Anbieters Uber angegriffen. Täter: Offenbar aufgebrachte Taxifahrer.
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San FranciscoDie Maschinenstürmer sind zurück. Es begann mit einer Attacke auf ein Fahrzeug der Firma Uber auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt von Paris. Wütende Demonstranten, vermutlich Taxifahrer, attackieren den schwarzen Mercedes des Chauffeurdienstes aus San Francisco, werfen eine Seitenscheibe ein, blockieren den Wagen. Fotos im Internet zeigen zerstochene Reifen, eine Seite des Autos wurde mit Klebstoff eingesprüht. An Bord neben dem Fahrer der CTO des Start-Ups Eventbrite und Five-by-Five-Mitgründerin Kat Borlongan, die den Zwischenfall auf Twitter dokumentieren.

Wenig später geht es Schlag auf Schlag: Mindestens zwölf Zwischenfälle, von zerplatzten Eiern auf der Windschutzscheibe bis zu zerstochenen Reifen, werden jetzt aus Paris und aus Lyon gemeldet. Die Ziele jedes Mal: Fahrzeuge des Start-Ups und Taxi-Wettbewerbers Uber. Dessen Statthalter in Frankreich, Pierre-Dimitry Gore-Coty verurteilt die Übergriffe aufs Schärfste und lobt die Fahrer, die umsichtig gehandelt und ihre Passagiere sicher aus der Gefahrenzone gebracht hätten. Bloomberg berichtet von zwei weiteren Zwischenfällen, bei denen Fahrzeuge des Limousinen-Dienstes Chauffeur Privé angegriffen wurden.

Sie nennen sich selbst „disruptive“, zerstörerisch, und nehmen für sich in Anspruch, verkrustete Strukturen und Branchen aufzubrechen. So wie der Chauffeur-Dienst Uber. Seit Amazon nach dem Buchhandel eine Handelsbranche nach der anderen in Schutt und Asche legt, sind sich die Menschen jedoch nicht nur der Vorteil des Internets, sondern auch der Gefahren bewusst. Für jeden Arbeitsplatz, der im Silicon Valley geschaffen wird, geht mindestens einer irgendwo anders in der Welt verloren.

Die Politik reagiert auf diese Veränderungen viel zu langsam und überlässt die Betroffenen weitgehend ihrem Schicksal. So wie damals, als im 19. Jahrhundert das unkontrollierte Vordringen der automatischen Webstühle den Aufstand der Weber provozierte. Sie standen mit ihren Familien schnell dem Rücken zur Wand. Doch das Zerstören der Webstühle hielt die Entwicklung nicht auf.

Die Beziehungen zwischen französischen Taxifahrern und dem Herausforderer Uber sind schon seit geraumer Zeit angespannt, spätestens, seit die „15-Minuten-Regel“ gilt. Sie verlangt eine Wartezeit von mindestens 15 Minuten zwischen Online-Buchung eines Fahrers und Abholung des Passagiers. Auf Drängen der Taxibranche eingeführt löst sie jedoch keines der grundlegenden Probleme.

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Geschäftspraktiken von Uber in der Kritik

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  • So ist das halt im USA-Kapitalismus: "Uber muss zügig mehr Umsatz machen, um sich für einen Börsengang schön zu machen. Er macht die Gründer erst zu Millionären oder Milliardären."

    Nur DAS ist doch der springende Punkt. Es kommt doch gar nicht darauf an dem Taxi eine bessere Alternative anzubieten. Das wird dem Nutzer doch nur wunderbar suggeriert damit er darauf reinfällt. Und wer dieses Spiel mitspielt und sich nachher darüber aufregt, ist selber Schuld.

    "Uber hat Anfang 2014 erst eine Finanzspritze von 258 Mio Dollar erhalten, um das Geschäft aggressiv auszuweiten."

    Was glauben Sie wie groß der Druck auf jedem einzelnen lastet diesen Zuschuss wieder wettzumachen.

    Jeder Mensch hat seine eigene kleine Macht. Keiner ist dazu verpflichtet Sachen über Amazon zu bestellen, Android als Betriebssystem auf seinem Smartphone zu nutzen. Doch der Mensch ist verweichlicht geworden und dazu noch sehr bequem.

    Die Problematik mit den Taxen ist doch weltweit die gleiche. Uber ist jedoch der absolut falsche Lösungsansatz.

  • Franzosen waren nie wirkliche Freunde der Amerikaner und umgekehrt!
    Amerika benutzte Europa schon seit Ende des 2. Weltkrieges als "stille Reserve".- Wenn in den USA Arbeitsplätze gebraucht wurden, wurden sie aus Europa abgezogen, andernfalls wurde Europa, wenn die Wirtschaft brummte, als Absatzmarkt für amerikanische Produkte benutzt. Da der Amerikaner wie eine Art chinesischer Kaiserin-Witwe hinter der EU steht, wird dieses System durch die Beseitigung von Handels- und Gewerbeschranken immer schlimmer! DeGaulle war noch durchaus bewußt, daß Frankreich für die USA immer nur ein Verbündeter 3. Klasse war und handelte entspechend.
    Ein hochrangiger Diplomat der USA sagte: Amerika hat keine dauerhaften Freunde oder Feinde - nur dauerhafte Interessen!
    Der Vergleich mit den Webern hinkt; denn der technische Fortschritt wurde von den eigenen Leuten ins Land gebracht - nicht von Fremden, fremde Firmen muß man eigendlich nicht dulden!
    Jeder kann dazu beitragen daß Firmen wie Amazon nicht hochkommen, indem er bei ihnen nichts kauft! Nur leider ist es mit der Solidarität oft nicht weit her wenn die Alternative teurer oder noch schlimmer - unbequemer - ist!
    In Frankreich ist der Zusammenhalt da besser und so wird auch bezüglich der nichtfranzösischen Kunden "nachgeholfen"!

  • So ist das halt im Sozialismus: Wettbewerb wird konsequent ausgerottet.

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