Poststreik
Appel setzt auf Einigung am Wochenende

Post-Chef Frank Appel setzt weiter auf eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi – Gespräche am Freitag und Samstag, so glaubt er, könnten Lösung bringen. Verdi will bis zu einer möglichen Einigung weiter streiken.
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DüsseldorfDer seit mehr als drei Wochen andauernde Streik bei der Deutschen Post könnte bald beendet sein. Bei den Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi am Freitag und Samstag könnte es eine Übereinkunft geben, sagte Post-Chef Frank Appel in einem vorab veröffentlichten Gespräch mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagausgabe): „Ich bleibe Optimist und bin mir sicher, dass wir uns einigen.“

Der Konzern sei der Gewerkschaft bereits „deutlich entgegengekommen“. Auf die umstrittenen Subunternehmen mit niedrigeren Löhnen will Appel aber nicht verzichten: „Dass es die neuen Gesellschaften gibt, ist für uns nicht verhandelbar.“ Die Gewerkschaft Verdi wollte die Aussagen nicht kommentieren.

Verdi läuft gegen die neuen Gesellschaften Sturm, in denen bereits mehr als 6000 Menschen arbeiten. Seit mehr als drei Wochen bestreikt die Gewerkschaft den Konzern, rund 32.000 Postler befinden sich im Ausstand. Millionen von Paketen und Briefen verspäten sich. Verhandlungsführerin Andrea Kocsis will die Proteste erst beenden, wenn eine Lösung im Tarifstreit gelungen ist.

Insider sagten, dazu solle bei den neuen Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr ein sehr ernsthafter Anlauf unternommen werden. Kocsis hatte den Bonner Konzern bereits zum Kompromiss aufgerufen: „Das ist unsere Erwartung an den Postvorstand.“ Das Unternehmen hatte es als „positives Zeichen“ gewertet, dass Verdi zu neuen Verhandlungen bereit sei.

Entzündet hatte sich der Konflikt an der Ankündigung des Unternehmens, Tausende unbefristete Stellen zu schaffen - allerdings in den 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne gelten als im Konzern. Die neuen Firmen orientieren sich an den von Verdi ausgehandelten Tarifverträgen der Logistik-Branche, die deutlich unter denen der Post liegen.

Verdi will die Post mit dem Streik zwingen, dass auch bei den Tochterunternehmen der höhere Haustarif gezahlt wird, der für rund 140.000 Postler gilt. Die Post verweist dagegen darauf, dass sie bereits deutlich höhere Löhne als die Konkurrenten zahlt - und das auch in denen neuen Gesellschaften.

Appel bekräftigte zugleich seine Gewinnziele für das Jahr 2020 und wies Vorwürfe der Gewerkschaft zurück, diese sollten auf dem Rücken der Beschäftigten in Deutschland erreicht werden. Der Konzern wolle den operativen Gewinn (Ebit) im Mittel jährlich um acht Prozent steigern, bekräftigte er.

Der Großteil davon solle aber im Auslandsgeschäft eingefahren werden: „In Deutschland ist eine Steigerung um drei Prozent geplant, also etwa auf dem Niveau des Umsatzwachstums.“ Die Post hatte 2014 einen operativen Gewinn von 2,965 Milliarden Euro erzielt.

Neben dem aktuellen Tarifkonflikt mit seinen wochenlangen Streiks droht der Post aber nun auch noch Ärger mit dem Bundeskartellamt. Ein Sprecher der Behörde bestätigte am Mittwoch, dass ein seit 2012 laufendes Verfahren gegen die Post in Kürze abgeschlossen werde. Dabei geht es nach einer früheren Kartellamtsmitteilung um starke Preisnachlässe für Großkunden. Mit dieser „Kampfpreisstrategie“ würden Post-Wettbewerber möglicherweise wettbewerbswidrig behindert.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstag) berichtet, die Post habe Großkunden aus der Telekommunikationsbranche wie der Deutschen Telekom, Vodafone, Telefónica und Freenet jahrelang Dumpingpreise gewährt und solle deshalb abgemahnt werden. Damit müsste die Post diese Praxis einstellen. Bußgelder würden in diesem Fall nicht fällig.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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