Tui steigert Verlust
Tourismuskonzern hadert mit Ostereffekt

Die Unruhen in der Türkei und in Ägypten schrecken Touristen ab. Doch dem Tourismuskonzern Tui setzt im Winterhalbjahr vor allem der „Ostereffekt“ zu. Da hilft auch ein demonstrativ optimistischer Chef nicht viel.
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London, HannoverNoch immer schrecken die eigentlich so großen Türkei-Fans in Deutschland davor zurück, an der anatolischen Küste wieder ihre Füße in den Sand zu stecken. Im Zuge der Unruhen hatte sich die Zahl der Türkei-Urlauber bei Tui im vergangenen Jahr auf unter eine Million halbiert, und noch immer ist die Nachfrage der Kunden verhalten, sagte Tui-Chef Fritz Joussen am Montag bei Bekanntgabe der aktuellen Zahlen.

Auch um Ägypten machen derzeit viele Touristen einen Bogen. Kein Wunder, dass der Chef von Europas größtem Reiseveranstalter da lieber nach China blickt. Gerade sei er von einer Reise aus Asien zurückgekommen, erzählte Joussen, und schwärmt von den guten Geschäften, die er dort wittert.

Es werde ein „zweite Welle des Tourismus“ geben, prognostiziert er, da gehe es nicht mehr nur darum, „zehn Städte in neun Tagen“ abzuhaken. „Man wird nicht aus dem Bus springen, Fotos machen, drei Gucci-Taschen kaufen, wieder zurück in den Bus springen und zum nächsten Ziel fahren“, ist Joussen sich sicher. Die nächste Generation komme aus China – und sie sei wohlhabend. Erst vor wenigen Monaten hatte der Tui-Chef auf der Hauptversammlung von Europas größtem Reiseveranstalter den Plan verkündet, mindestens eine Million Kunden binnen fünf Jahren in den wichtigsten Schwellenländern zu gewinnen.

Eine Milliarde Euro und mehr an zusätzlichem Umsatz werde das bringen. Ein Versprechen, das die Börse damals mit einem Kursplus von fast vier Prozent quittierte. Doch diesmal half Joussens Optimismus der Aktie nicht auf die Sprünge: Die in London notierte Aktie rutschte am Montag um über vier Prozent ab.

Börsianer führten das auf die aktuell vorgelegten Zahlen zum Winterhalbjahr zurück. Der Umsatz wuchs in der gewöhnlich schwachen Wintersaison im fortgeführten Geschäft zwar um 3,3 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro, doch das um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis fiel mit minus 214 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr um annähernd vier Prozent höher aus. Einer der Hauptgründe dafür war, dass das umsatzstarke Osterreisegeschäft dieses Jahr in den April fiel und sich damit nicht in den Halbjahreszahlen niederschlägt.

Dieser „Ostereffekt“, wie es in den Zahlen heißt, machte sich mit einem Minus von 38 Millionen Euro bemerkbar. „Ich kann Ihnen aber versichern, dass Ostern stattgefunden hat“, scherzte Joussen. Die Buchungen für die wichtige Sommersaison entsprächen den Erwartungen: Eine starke Nachfrage nach Spanien und den Kanaren, Griechenland, Zypern, den Kapverden und Fernreisezielen wie der Karibik, gleiche verhaltene Buchungen für die Türkei und Nordafrika aus. In dem bis Ende September laufenden Geschäftsjahr soll das operative Ergebnis um mindestens zehn Prozent steigen. „Mindestens“, betonte Joussen, „ganz gleich, was Sie vielleicht an Spekulationen gehört haben“.

In den vergangenen Monaten hatte Tui mit einer Welle an Krankmeldungen bei der Fluglinie Tuifly zu kämpfen gehabt. Piloten und Flugbegleiter legten die Arbeit nieder, nachdem bekanntgeworden war, dass Tuifly unter Führung der arabischen Fluglinie Etihad mit der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki in eine Holding integriert werden soll. Reihenweise Flüge fielen aus, was den Reisekonzern 24 Millionen Euro kostete. Ob das Bündnis zum Winter oder erst zum Sommerflugplan 2018 zustande kommt, wagte Joussen nicht zu sagen. Er wolle nichts überstürzen, bekräftigte er. „Ein guter Vertrag ist besser als ein schneller Vertrag“.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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