Verhandlung
Staatsanwaltschaft landet Coup im Teldafax-Prozess

Fast drei Jahre nach der Insolvenz des Billigstromanbieters Teldafax beginnt heute in Bonn der Strafprozess gegen die Verantwortlichen. Eine Ex-Managerin könnte den Angeklagten die Verteidigung erheblich erschweren.
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DüsseldorfSchon vor dem am Dienstag beginnenden Prozess gegen die Verantwortlichen des untergegangenen Billigstromanbieters Teldafax hat die Staatsanwaltschaft Bonn einen wichtigen Sieg errungen: Die ehemalige Geschäftsführerin der zentralen Teldafax Marketing GmbH, Claudia N., hat einen Strafbefehl akzeptiert. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft Bonn dem Handelsblatt (Artikel zum Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft). Die Managerin sei damit rechtskräftig wegen Beihilfe zur Insolvenzverschleppung zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Ob sie damit auch zur Kronzeugin wird, wollte Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel auf Anfrage nicht verraten. Er sagte lediglich: „Frau N. war sehr kooperativ.“

Dies ist ein harter Schlag für die drei Männer, die ab Dienstag vor dem Landgericht Bonn auf ihre Unschuld pochen wollen. Klaus Bath, Gernot Koch und Michael Josten müssen sich wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung, des gewerbsmäßigen Betrugs sowie von Bankrotthandlungen verantworten. Teldafax stellte erst am 14. Juni 2011 einen Insolvenzantrag, obwohl die Gesellschaft nach Überzeugung sowohl des Insolvenzverwalters als auch der Staatsanwaltschaft bereits seit Sommer 2009 zahlungsunfähig war. Das Handelsblatt zitiert unter anderem einen Brief der Teldafax-Vorstände an den Aufsichtsrat vom 9. Juli 2009, in dem es heißt: „In der Kalenderwoche 25 wurde der Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit festgestellt.“

Trotzdem lockte das Unternehmen mit sehr günstigen Preisen immer neue Kunden an. Diese Dumpingangebote waren zwar nicht kostendeckend, doch da die Kunden per Vorkasse bezahlen mussten, schaffte sich Teldafax zwischendurch immer wieder Scheinliquidität. Als das Unternehmen zusammenbrach, hinterließ es bei seinen 750.000 Kunden einen Schaden von mehr als 500 Millionen Euro.

Ein eBook zum gesamten Teldafax-Komplex gibt es im Kaufhaus der Weltwirtschaft unter www.kaufhaus.handelsblatt.com.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Verhandlung: Staatsanwaltschaft landet Coup im Teldafax-Prozess"

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  • Die Hauptfrage ist doch, wieviel Geld sich die 3 Angeklagten selbst genehmigt und so kaufmännisch in betrügerischer Weise entnommen haben. Die nächste Frage wäre, wo ist das Geld geblieben? Nicht aufzufinden bzw. ausgegeben, Folge direkte Beugehaft und höchstmögliche Haftstrafe. Die persönliche Bereicherung ist gegeben, denn bei ordnungsgemäßer Buchhaltung, müssen alle Zahlen plausibel sein.
    Wenn jedoch die erforderlichen Gesetze fehlen, haben unsere Politiker indirekt Hilfestellung zum Betrug und zur Insolvenzverschleppung geleistet. In Bananenrepubliken keine unübliche Vorgehensweise.
    Das betrügerisch "erworbene" Privatvermögen der 3 wird wohl üblicherweise nicht angetastet, bzw. ein Kuhhandel durchgeführt.
    Eine Verkäuferin wird wegen Entnahme von Flaschenpfand entlassen.

  • Die Staatsanwaltschaft brauchte doppelt so lange Anklage zu erheben, wie Teldafax die Insolvenz verschleppt haben soll?

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