Der Werber-Rat
Bedroht Konsumverzicht die Werber-Existenz?

Konsumverzicht rettet die Umwelt und macht glücklich, sagen seine Verfechter. Was aber sagt der Werbefachmann? Wie passen eigentlich Konsumdesinteresse und Werbung zusammen?
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Vor einiger Zeit sagte ein Experte im ZDF, globale Umweltprobleme ließen sich nicht durch grüne Technologie allein beseitigen. Denn auch grüne Technologie führe zu Wachstum, und Wachstum erhöhe den Verbrauch von Ressourcen, ganz gleich, wie grün er sei. Die Lösung führe nur über Konsumverzicht.

Andere führen das Thema ins Feld, wenn es um ein glücklicheres Leben geht. In den Buchhandlungen findet man immer mehr Werke, die verraten, wie man mit weniger Kram glücklicher wird. Konsumverzicht, so scheint es, entwickelt sich zum In-Thema.

Die Menschen stellen sich zunehmend die Sinnfrage. Brauchen wir immer mehr von allem? Dürfen wir Dinge kaufen, unter deren Produktion Menschen leiden? Ist es nicht cooler, Dinge nicht zu besitzen? Es gibt Beispiele, die zeigen, dass es auch anders geht. So floriert die Shared Economy: Car- und Bike-Sharing boomen, Online-Tauschbörsen wachsen. Wer sich fragt, ob er wirklich jedes Jahr ein neues Handy braucht, kann sich ein fair produziertes Smartphone – ein sogenanntes Fairphone – kaufen.

Nun klingt Konsumverzicht in den Ohren von Werbeleuten ein wenig unangenehm. Wenn der Konsument dankend verzichtet, was wird dann aus ihnen? Tatsächlich ist die Entwicklung jedoch nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance. Je mehr sich die Prioritäten der Verbraucher von „Hauptsache billig” zu „Hauptsache gut” verschieben und je mehr sie unterscheiden zwischen dem, was sie wollen, und dem, was sie brauchen, desto größer die Chancen für Boutique-Brands, die handwerklich hervorragend gefertigte, haltbare Dinge herstellen. Vom Fairphone bis zu italienischen Modedesignern, die sich zur sogenannten Slow-Wear-Philosophie bekennen.

Sie alle leben und produzieren noch in einer Nische. Wir Werbeleute können dazu beitragen, dass sie mehr Beachtung finden. Ohne Kommunikation wird es keinen nachhaltigen Konsum geben. Wer heute beginnt, sich auch aus kommunikativer Sicht mit dem Thema des Konsumverzichts zu beschäftigen, wird am Ende die Nase vorn haben. Selbst wenn er sich zur Zeit noch als realitätsferner Träumer belächeln lassen muss. Das ging den Umweltschützern vor 30 Jahren auch nicht anders.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Bedroht Konsumverzicht die Werber-Existenz?"

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  • Es kommt immer drauf an was man konsumiert und wieviel!
    Eine Million Steinzeitmenschen haben früher auch konsumiert! Nur hatte dieser Konsum die Natur nicht nachhaltig geschädigt!
    Heute sägen über 7 Milliarden Menschen den Ast ab auf dem Sie sitzen!
    Wären vor 200 Jahren die Herrschenden keine selbstsüchtigen Soziopathen gewesen die nur verdienen wollten, hätte Sie zum Wohle der Menscheheit weltweite Zwangssterilisationen angeordnet um die menschliche Population im Rahmen zu halten!
    Dann wäre die Menschheit auch ohne Weltkriege vorangekommen! Grosse Kriege konnte man nur mit genug Menschen führen!
    Der nächste Weltkrieg wird der letzte sein!
    Und wie Einstein so schön sagte werden die Kriege danach wieder mit Lanze und Bogen geführt!

  • In Griechenland nicht viele. Aber das ist wie oben beschrieben ja das Problem. Denn ohne einen Konsumenten gibt´s keine Produktion. Das ist so wie in Deutschland, nur das wir alles exportieren.

  • Sorry, aber welche Konsumgüter werden denn in Griechenland produziert?

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