Der Werber-Rat
Business-Angel für Anfänger

Immer mehr Jungunternehmer sind auf der Suche nach Startkapital. Und immer mehr Anleger engagieren sich als private Business-Angels. Doch das Start-up-Sprech sorgt mitunter für Verwirrung.
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Das Privatvermögen der deutschen Haushalte hat sich seit 1970 verzwanzigfacht: 4,93 Billionen Euro haben die Deutschen auf der hohen Kante. Jetzt haben sie ein Problem: Die Zinsen sind im Keller, die Skepsis vor Anlageprodukten der Banken ist allgegenwärtig, die Immobilienblase droht zu platzen und die Inflation steht vor der Tür. Wohin also mit dem Geld?

Immer mehr Privatleute geben Gründern privates Geld. Selbst Kleinsparer können sich mittlerweile als Business-Angel betätigen. Dafür muss man nicht mal ins „Valley“ fahren. Städte wie Berlin und Hamburg sind voll von Start-ups mit Kapitalbedarf. Auf Plattformen wie Seedmatch finden Geldsuchende und Investoren zusammen. Über Crowd-Investing wurden 2013 rund 15 Millionen Euro eingesammelt. Wo die Banken sich zugeknöpft geben, darf der Business-Angel ran.

Dabei sollte man sich vom gesunden Menschenverstand leiten lassen: Es geht bei so einem Investment immer zuerst um die Menschen, in die man investiert. Dann zählt die Idee, und erst ganz zum Schluss geht es um Powerpoint-Folien und Businesspläne.

Je mehr Start-up-Sprech die Kandidaten verwenden, desto hellhöriger sollte man sein. „Wir drehen grade eine kleine Zwischenfinanzierungsrunde“ heißt meistens „Wir sind kurz vor der Pleite“. Und „Wir befinden uns in der Early-Gap-Stage, aber mit einer Convertible Note kannst du da ganz einfach einsteigen, das Ganze ist logisch skalierbar - du, wir nutzen einfach die Leverage!“ heißt „Wir wollen mit deinem Geld eine Killer-App finanzieren, die wir innerhalb kürzester Zeit an Facebook verkaufen, hat doch bei Instagram auch funktioniert“.

Je mehr ein Start-up wie ein Start-up-Klischee wirkt, desto sicherer kann man sein, dass die einzige ihm zugrunde liegende Geschäftsidee ist, schnell über einen baldigen Verkauf reich zu werden. Ein sicheres Indiz für einen ernst zu nehmenden Partner: Er verhält sich von Anfang so, als würde er seine Firma nie verkaufen wollen. So bringt er genau die Solidität in das Unternehmen, die es überhaupt verkaufbar macht. Steve Jobs hat einmal gesagt, er hätte nichts für Leute übrig, die ein Unternehmen nur gründen, um es schnellstmöglich zu verkaufen. Eine guter Merksatz für jeden angehenden Business-Angel.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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