Der Werber-Rat
Der Wert der Farben

Jede Zeit bringt eine dominierende Farbe hervor. Sie spiegelt die vorherrschenden Werte wider und bestimmt die Gestaltung von Anzeigen und Websites. Die angesagte Farbe seit der Finanzkrise ist - Schwarz.
  • 0

Farben wird im Allgemeinen eine feste Bedeutung zugeschrieben. Blau gilt als kühl und Weiß als steril. Tatsächlich ist aber die Farbwahrnehmung stark geprägt von der Zeit, in der wir leben. Gerade bei Werbung und Gestaltung ist sie eng verbunden mit den relevanten kulturellen Werten. Verändern sich die Werte, verändert sich auch die Farbwahrnehmung. Aber nicht nur das. Die Häufigkeit der Colorcodes, der Farbgebung, wird ebenfalls beeinflusst.

Seit 1999 messen wir regelmäßig, welche Farben Anzeigen, Plakate und seit einiger Zeit auch die Websites dominieren. Colorcodes machen Werte und Wertewandel sichtbar. Allerdings ist der Farbwechsel bei den Kreativen kein bewusster Akt, den sie vollziehen. Auch die Menschen nehmen Farben in der Werbung ganzheitlich und unterbewusst wahr.

Der letzte große Farbwandel fand mit der Finanz- und Währungskrise statt. Er vollzog sich innerhalb von wenigen Monaten. Die Hintergrundfarbe wechselte von Weiß auf Schwarz. Aber die Menschen erlebten die neuen Codes in den Befragungen als immer schon so da gewesen. Und das zeigt sich durchgängig. Ist eine Farbgestaltung zeitgemäß, wird selbst eine radikale Veränderung nicht als störend empfunden. Vielmehr werden dann die bisher gültigen Codes plötzlich als altbacken und nicht ansprechend erlebt.

Werte allerdings wandeln sich in der Gesellschaft vor allem durch einschneidende Ereignisse wie den 11. September 2001. Auch die Fußball-WM 2006 hatte Einfluss auf das deutsche Lebensgefühl und die Farbgebung der Werbung. Erstmals konnten die Deutschen die Leiden des jungen Werther hinter sich lassen und Leichtigkeit und Lebensfreude ausstrahlen. Weiß symbolisierte Hoffnung und Neuanfang. Die Farbe ist immer noch die zweitstärkste - nach Schwarz. Mit der Krise 2008 ist die Ernsthaftigkeit zurückgekehrt. Schwarz wird von den Menschen aber nicht als Hoffnungslosigkeit und Trauer verstanden. Vielmehr steht die Farbe für Tiefgang und Reduzierung auf das Wesentliche. Vor schwarzem Hintergrund leuchten die Produkte auch heute noch besonders und luxuriös - und erlauben Auszeiten aus dem stressigen Alltag. Einige Werber greifen derzeit mit Grau das Erschöpfungsgefühl der Deutschen auf. Aber das möchten die Menschen nicht sehen. Es ist ihnen zu depressiv.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Der Wert der Farben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%