Der Werber-Rat
Jetzt schon wieder Weihnachten?

Draußen herrschen 20 Grad und Sonnenschein, drinnen in den Kaufhäusern stehen schon längst die Schoko-Nikoläuse Spalier. Wo bitte bleibt da die Magie der besinnlichen Weihnachtszeit?
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Was für ein Herbst – strahlender Sonnenschein, auch Anfang November Temperaturen um die 20 Grad. Die Menschen flanieren in leichter Garderobe durch die Straßen, durch Kaufhäuser und Einkaufspassagen. Und was sehen sie dort? Rentierschlitten, Lametta, Spekulatius, Christstollen. Da fällt mir Franz Beckenbauer ein, der einst in einem E-Plus-Werbespot herrlich erstaunt sagte: „Ja ist denn heut’ schon Weihnachten?“

Weihnachtsrummel überall – zwei Monate vor dem großen Fest. Nicht nur in Deutschland. Im Kaufhaus Fortnum & Mason in London glitzert bereits der Festschmuck – Weihnachtsmusik und passenden Tee-Duft gibt es gratis
dazu. Auch die Kaufhäuser in Wien sind seit Wochen mit Adventskalendern dekoriert. Die Touristen tragen tütenweise edle Schoko-Nikoläuse zum Flughafen.

Sicher, die umsatzstärksten Wochen des Einzelhandels starten. Da rangeln Unternehmen, Händler und Werber um eine gute Ausgangsposition, schon bevor der Kaufrausch so richtig erwacht. Jeder Bundesbürger gibt, so hat es
die Beratungsfirma Deloitte in einer Umfrage ermittelt, im Schnitt 266 Euro allein für Weihnachtsgeschenke aus. Mit Restaurantbesuchen, Tannenbaumschmuck und Brimborium sind es 437 Euro.

Mir kommt die frühzeitige Präsentation von Weihnachtsgaben ziemlich entgegen. Ich plane meine Einkäufe für das große Fest gerne mit Vorlauf und meide möglichst die letzten Adventswochenenden, wenn alle in die Kaufhäuser drängen. Und doch spüre ich, dass etwas verloren geht, wenn Weihnachten so weit vorverlegt wird, wenn die winterliche Weihnacht zur Alltagsgewohnheit, zum bloßen Rummel wird.

Wo bleibt die Magie, der Zauber der besinnlichen Weihnachtszeit, wenn uns gleich nach den Sommerferien überall Lebkuchen-Berge in den Weg gestellt werden? Wenn das „Kling Glöckchen“ schon jetzt laut bimmelt?

Für die Marketingverantwortlichen wird genau dies zu einer großen Herausforderung: Wie lässt sich der Spannungsbogen bis Weihnachten ausbauen und so halten, dass die Vorweihnachtsfreude nicht erlahmt? Oder gar umschlägt in eine Weihnachtsphobie? Vielleicht war früher auch deshalb mehr Lametta, weil es das Lametta eben nur über die Weihachtstage gab.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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