Der Werber-Rat
Mutterglück mit 50

Die moderne Fortpflanzungsmedizin sorgt dafür, dass die biologische Uhr bei Frauen ab 30 weniger laut tickt. Sie können den Kinderwunsch getrost auf später verschieben. Davon profitieren viele.
  • 7

Die „alten“ Eltern aus Hamburg sind 51 und 68. Damit sind sie Gesprächsthema der Medien und Menschen. Und die „Zeit“ schreibt im letzten Titel über neue Fortpflanzungsmöglichkeiten im Alter. Frauen können nun, in wenigen Praxen, ihre eigenen Eizellen zur späteren Verwendung einfrieren. Damit stellt sich auch für sie die Option, die Männer im Prinzip schon immer hatten, nämlich sich sehr spät noch einen Kinderwunsch zu erfüllen. Sie können erst Karriere machen und auf den Mann ihres Lebens und möglichen Kindsvater warten. Sie können dann Kinder bekommen, wenn es in den Lebensplan passt.

Prinzipiell dürfte das auch die Männer entlasten, wenn sie einer Frau ab circa Mitte 30 begegnen. Sie müssten dann nicht mehr die Sorge haben, als potenzieller Vaterschaftskandidat unter die Lupe genommen zu werden.

Die neue Fertilitätstechnologie könnte ein Segen sein. So wie damals die Pille die Sexualität von der Fortpflanzung trennte, ließe sich nun die Fortpflanzung vom Alterungsprozess trennen.

Stattdessen dominieren in der gesellschaftlichen Diskussion die Bedenken. Schaden alte Eltern dem Kind? Schaden die notwendigen Hormonbehandlungen der potenziellen Mutter? Sind solche aufwendigen Verfahren überhaupt angebracht, nur um später ein Kind zu bekommen?

Dabei handelt es sich im Prinzip um einen konsequenten Schritt. Die Lebenserwartung der Menschen hat sich dramatisch erhöht. Die heute 60-Jährigen sind so fit wie die früheren 40-Jährigen. Mit Beginn des Rentenalters haben die Menschen nicht selten noch ein Viertel ihrer Lebenszeit vor sich. Umgekehrt befinden sich junge Menschen viel länger in der Ausbildung, brauchen Zeit, sich beruflich zu etablieren oder bleiben gleich — Stichwort Hotel Mama — zu Hause wohnen.

Wieso also sollte nicht auch das Kinderkriegen sukzessive nach hinten „geschoben“ werden? Ältere Eltern wissen genau, was sie wollen, sorgen vor, auch für den Fall ihres Ablebens. Sie genießen die Zeit mit den Kindern möglicherweise intensiver, weil sich nicht selten auch ein lange ersehnter Wunsch erfüllt. Für ein Kind gibt es ebenso viele Vor- wie Nachteile. Aber am wichtigsten wird ihm wohl sein, dass es überhaupt existiert.

Übrigens: Mit allen „technischen“ Neuerungen waren immer auch Sorgen verbunden. Beispielsweise haben die Menschen lange diskutiert, ob das Reisen in Zuggeschwindigkeit nicht grundsätzlich krank macht, weil die Seele zurückbleibt. Seelisch scheint manchem eine Mutter mit 50 vielleicht noch zu alt, aber wir werden hier hinterherkommen — müssen.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Mutterglück mit 50"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich find es einf ach nur ekelhaft und es ist purer Egoismus. Ein Kind ist doch kein Spielzeug

  • Feine Idee!
    Und wenn das Einzelkind dann 20 ist, kann es sich statt ums eigene Leben umgehend um die pflegebedürftigen Eltern kümmern. Und um einen ggf. verwitweten Teil, der sich dann mangels Partner mit Macht an den einzigen Goldschatz klammert, weil er ja sonst niemanden hat. Falls es dann mal mit 40 eine Chance haben sollte an sich zu denken, wirds zumindest schwierig! Immerhin wird so jemand hoffentlich nicht auf die Idee kommen, mit 50 Mutter oder Vater zu werden. Weil derjenige dann nämlich sein ganzes Leben für die Eltern geopfert hat und ihm Familie und deren Versorgung bis hier steht!

  • Vorsicht! Liebe Leser, glauben Sie bloß nicht, was Sie in diesem Text von Imdahl gelesen haben. Das Gegenteil ist richtig.

    Wer die Statistiken der Reproduktionsmediziner kennt, weiß: Aus diesen nervenaufreibenden und kostspieligen Eingriffen gehen die meisten Kinderwunsch-Eltern ohne Kind heraus. Nur eine Minderheit kann damit Eltern werden.

    Zudem wird die Biologie keineswegs außer Kraft gesetzt. Die Fruchtbarkeit der Frau fällt ab dem Alter 37/38 Jahre dramatisch ab. Daran hat die Medizin bislang nichts geändert.

    Überdies haben Eltern, die die Eingriffe in Deutschland vornehmen lassen, noch einen zusätzlichen Nachteil: Methoden, die die Erfolgswahrscheinlichkeit der Repromedizin sehr stark erhöhen, sind hier zu Lande verboten - etwa das Aussuchen der für den Kinderwunsch bestgeeigneten, befruchteten Eizellen.

    Die Repro-Industrie (Ärzte und Pharma) verdienen an den Eingriffen kräftig, auch wenn die älteren Eltern ohne Kind aus dem Verfahren rauskommen. Sie werden es nicht gerne hören, dass diese Regeln nach wie vor gelten:

    1. Kinderkriegen am besten im Alter 20 bis 30.
    2. Repromedizin kann helfen, die besten Aussichten haben Paare, bei denen die Frau jünger als 35 ist.
    3. Erstschwangerschaften im Alter 40plus sind extrem selten, auch wenn sie mit Mitteln der Repromedizin befördert werden.
    4. Am erfolgreichsten sind repromediz. Eingriffe im angrenzenden Ausland (Belgien, Österreich, Tschechien, Polen), weil die dortigen Praxen Verfahren einsetzen können, die hier zu Lande verboten sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%