Der Werber-Rat
Raus aus dem Kriegszustand!

China ist ein globaler Mitspieler geworden, das Land ist längst nicht mehr die verlängerte Werkbank Europas. Hier treten wir am besten auf Augenhöhe auf - und nicht als Oberlehrer. Handelskriege sind unzeitgemäß.
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Im Roman "Die Entdeckung der Langsamkeit" kommt Weltumsegler Franklin nach Jahren ins Heimatdorf zurück. Die Leute lauschen dem neuen Marco Polo. Einer ist nicht beeindruckt. "Was soll das - die Welt umsegeln! Die Erde dreht sich. Man kommt doch auch so überall hin." Franklin kontert: "Wer sich nicht bewegt, bleibt an einer Stelle." - "Na ja", lenkt der andere ein, "die Füße sollte man zuweilen heben …"

So ist es. Die Erde dreht sich. Man braucht nur die Füße zu heben, und schon ist man - wie ich heute - mit Wissenschaftlern in China. Die neue Weltmacht hat sich zum globalen Mitspieler in der ersten Reihe gemacht.

Gewaltige Potenziale und eine junge Generation, die es wissen will: Das verdient Respekt, freundliches Interesse und bescheidenes Auftreten, nicht fertige Antworten, sondern gute Fragen. Nicht "Wie steht ihr denn da!" im Tonfall des Oberlehrers, sondern "Wo wollt ihr hin?" und "Wo sind wir dann alle?".

Es ist gut, voneinander zu wissen. Besser ist es, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Das Beste ist, etwas gemeinsam zu tun.

Auf der Ebene der Staatsbesuche ist die Luft zu dünn. Durchatmen kann man dort, wo es um konkreten Austausch geht von Waren, Erfahrungen und Zielen. Ökonomen, Forscher, Künstler. Interessant wird es dort, wo uns gemeinsame Sorgen bewegen, etwa beim Klimawandel und bei der neuen Weltordnung.

Wir starren auf Schlagzeilen und Staatsrituale. Wir schielen auf "Seltene Erden", Kredite und Investitionen. Aufstrebende Völker haben einen viel wichtigeren Rohstoff. Er steckt in den Köpfen der jungen Generation. Das chinesische Denkkraftwerk bringt neuerlich mehr Patente hervor als Deutschland. Nicht mehr "verlängerte Werkbank": Wir sind füreinander überlebensnotwendige Partner.

Das dürfen wir nicht von olivenöltrunkenen, lobbygetriebenen EU-Beamten zerbröseln lassen. Wie ökologisch sind saftige Preiserhöhungen für Solarpanel? Deren chinesische Preise haben wenigstens ein Radio in den entlegensten Kral Afrikas gebracht. Mit sehr viel mehr Geld haben EU-Bürokraten schon sehr viel weniger entwickelt. Marktabschottung und Fehlallokation durch Subventionen lassen uns sehr alt und bald auch arm aussehen.

Der Autor ist einer von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Raus aus dem Kriegszustand!"

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  • ja, die BRICS sind wirklich toll. China verkauft seine (meist in westlicher Lizenz hergestellten) Waren an wen? Wer verkauft Rohstoffe an China für die Herstellung dieser (bald nicht mehr gebrauchten) Waren? An wen verkaufen diese beiden dann, wenn es im Pleite-Westen keine Abnehmer mehr gibt?

    Warum verlassen gerade die "Reichen" China (und nicht nur Frankreich)? Warum haben selbst die Apparatschiks dort großenteils ihr Geld und ihre Familien ins Ausland geschickt?
    China besetzt übrigens gerade einen Teil seines BRIC-Freundes Indien und läßt seine Muskeln im Chinesischen (nach ihrer Auffassung) Meer spielen, nicht nur gegen Japan.

    Haben sie mal die Aktienindizes (was immer für Aussagekraft diese noch haben mögen) der BRICS-Staaten gesehen. Insbesondere China hat bislang davon profitiert, daß sie als großer Retter und Zugmaschine propagiert wurden - nicht weil sie es sein könnten, sondern weil diese "Phantasie" die westlichen Ponziwirtschaft stützen konnte.

    Die Dinge sind nicht so einfach, wie sie auf der Oberfläche erscheinen bzw. propagiert werden - und die Anglo-Amerikaner sind hervorragende Pokerspieler, sehr erfahren dabei, andere gegeneinander auszuspielen - die außerdem tendenziell eher das Spiel überreizen (das zur Frage von Kriegen - der meiner Meinung nach bereits läuft, halt mit anderen Mitteln als tradionell üblich).

  • Typischerweise wurden bislang zumindest feigenblattmäßig die Menschenrechte "angemahnt". Ich fände das prinzipiell auch weiterhin gut, wenn "wir" dazu noch moralisch das Anrecht hätten. Aber eben auch in diesem Bereich herrscht wohl zunehmend "Augenhöhe". Zwar hat sich nicht - wie von vielen vorhergesagt - China so sehr an westliche Standards angenähert, aber solche Standardunterschiede sind ja auch relativ zueinander. Dank Bush/Obama-Regimen und der EUdSSR merkt man doch über die letzten Jahre eine deutliche Konvergenz der verschiedenen Weltblöcke zueinander - in jeder Hinsicht.
    Und da sage mal jemand, die Globalisierung würde nicht funktionieren!

  • Egal, wie man es betrachtet, die BRIGS Staaten haben die besseren Karten. Dies hat viele Gruende und das macht den Vorteil aus!
    Wenn diese Laender es schaffen und sie werden es realisieren, das Geldsystem in die eigene Verantwortung zu bekommen und sich nicht durch Privatbaenker finanzieren zu lassen, dann faellt zumindest einer der fundamentalen Nachteile weg; sich zu ueberschulden und auf Gedeih und Verderb auf Wachstum angewiesen zu sein, damit einer handvoll Finanzoligarchen und deren Anhang ihre Zinsen erwirtschaftet werden!
    Die Wirtschaft wird in diesen Faellen sich ganz organisch und der Realitaeten entsprechend entwickeln koennen und was das Wichtigste dabei ist, man kann sich auf die Binnenkonjunktur kuemmern, die in diesen Laendern eine unermessliches Potental darstellt, weil noch BEDARF herrscht in vielen Bereichen und nicht erst durch kostspielige Marketingmassnahmen kuenstlich erzugt werden muss. Damit wird auch die Wirtschaft besser steuerbar, weil nicht ausschliesslich durch externe Faktoren beeinflusst
    Sie koennen es drehen und wenden wie sie es moechten, die bisherigen Industrielaender "haben fertig", ausser sie brechen einen weiteren Weltkrieg vom Zaun! Allerdings auch dann werden sie am Ende nicht mehr auf dem Spielfeld sein, denn danach braucht die Menschheit "das Noetigste" und da gibt es dann nur einige wenige Lieferanten und die finden sich eben wieder in den BRIGS!

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