Der Werber-Rat
Waffen im Wohnzimmer

Starbucks-Gründer Howard Schultz hat sich nie gescheut, klar Position zu beziehen. Ausgerechnet in der Frage, ob Gäste in die Cafés eine Pistole mitbringen dürfen, lässt er ein klares Wort vermissen.
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Die Geschichte von Starbucks ist eine beispielhafte Marketingstory. Der ehemalige Marketingchef Howard Schultz kauft den Gründern 1987 die damals 17 Filialen ab und schafft eine weltweite Omnipräsenz in zumeist attraktiven Lagen.

Der Erfolg der Marke hatte bisher auch mit Konsequenz zu tun. Zum einen zeigt sie sich in dem weitestgehend einheitlichen Sofakuschel-Look, der den Menschen ein Stück heimelige Vertrautheit vermittelt.

Starbucks ist Startpunkt oder Rückzugsmöglichkeit, wenn einem die Eigenheiten der Städte oder Länder einmal spanisch oder gar unheimlich vorkommen. Und der Kaffeeduft schafft eine familiäre, verbindende Atmosphäre mit anderen Menschen im Starbucks-Wohnzimmer - man fühlt sich in der Fremde zu Hause.

Zum anderen steht Schultz selbst für konsequente Umsetzung seiner Visionen. Als Starbucks strauchelte, kehrte er 2007 vom Aufsichtsrat in die operative Führung zurück und renovierte die Wohnzimmer. Er scheute sich nie, klar Position zu beziehen: gegen Wahlkampfspenden und für die Homo-Ehe. Aber nun ist er an seine persönliche Grenze geraten.

Man muss wohl Amerikaner sein, um zu verstehen, wie es zu einem gemütlichen Gefühl beitragen kann, in Cafés Waffen zu tragen. Starbucks hat dies bisher geduldet. Nun „bittet“ Schultz die Waffenträger, künftig in den Starbucks-Filialen darauf zu verzichten. Eine windelweiche und dennoch ungemütliche Botschaft. Er verärgert die Waffenlobby und stellt die Gegner nicht zufrieden.

Niemand mit Einfluss findet in den USA den Mut, sich gegen diese Lobby zu stellen. Sie darf weiter behaupten, dass mehr Waffen zu weniger Verbrechen führen. Stattdessen sind es täglich bis zu zehn tödliche Unfälle mit und durch Kinder, die sich selbst oder andere erschießen. Schade, dass auch Schultz hier die Waffen streckt. Seine Inkonsequenz dürfte aber Konsequenzen für die Marke haben. Diese mögen im Gegensatz zu den Folgen für die Kinder nicht tödlich sein. Aber es wird unbehaglich im Wohnzimmer. Denn „Open Carrier“ werden der Bitte kaum folgen und sich provoziert fühlen. Und Gegner werden statt Geborgenheit bei Starbucks eher Angst vor Ent-Sicherungen verspüren, wenn sie in gleicher Weise Position beziehen.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Waffen im Wohnzimmer"

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  • Ein Glück das es die Kommentarfunktion gibt, das gibt mir Mut undZuversicht nicht nur von Schwachköpfen und Gutmenschen umgeben zu sein. Was zum Thema Waffenrecht in den Medien als Berichterstattung gilt ist mir da Fragwürdiges dahinbeten der auswendig gelernten flosskeln.

  • Wir finden merkwürdig, dass Amerikaner Waffen tragen. Die Amerikaner finden merkwürdig, dass man mit 250km/h über die Autobahn fahren darf und im frühen Abendprogramm nackte Brüste sichtbar sind. Alles eine Sache der Kultur, Geschichte und nationalen Sichtweise. Nicht jeder muss so ticken wie wir.

  • Aber, aber! Wie können Sie sowas nur schreiben?
    Guter Mann, das ist aber doch politisch nicht korrekt!

    Dabei fällt mir ein:
    Wer legt eigentlich fest, was in Deutschland politisch korrekt ist? Konsens der Schwachsinnigen?

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