Energie

Arcelor-Mittal
Frankreich findet offenbar Stahlwerk-Käufer

Arcelor-Mittal will ein Stahlwerk in Frankreich schließen. Die Regierung ist darüber entsetzt: Das Werk wurde zum Sinnbild von Hollandes Kampf gegen Entlassungen. Jetzt meldet das Land einen geheimnisvollen Interessenten.
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ParisIm Ringen um die Zukunft eines Arcelor-Mittal-Stahlwerks im Nordosten Frankreichs zeichnet sich nach Angaben der Pariser Regierung eine Lösung ab. Es sei ein Kauf-Interessent gefunden worden, sagte Industrieminister Arnaud Montebourg am Mittwoch vor der Nationalversammlung. Es handele sich um einen Unternehmer der Branche, der 400 Millionen Euro in die Modernisierung der Anlage investieren wolle.

Damit erhöhte Montebourg den Druck auf den weltgrößten Stahlkonzern, einem Verkauf zuzustimmen. Frankreich versucht zu verhindern, dass Arcelor-Mittal die Anlage wegen mangelnder Nachfrage zum 1. Dezember schließt. Um eine vorübergehende Verstaatlichung zu finanzieren, erwägt die Regierung Gewerkschaftern zufolge den Verkauf von Anteilen am Versorger GDF Suez.

Wer Interesse an der Anlage in Florange habe, ließ Industrieminister Montebourg offen. Er informierte die Abgeordneten über die Aussicht auf einen investitionsfreudigen Käufer, während vor dem Gebäude der Pariser Nationalversammlung Stahlarbeiter ihren Zorn auf die Straße trugen. Montebourg bekräftigte, die Regierung sei zu einer vorübergehenden Übernahme der zwei Hochöfen bereit. Zur Finanzierung sei denkbar, Anteile an staatlichen Unternehmen zu veräußern.

Um welchen Staatsbesitz es sich handeln könnte, blieb zunächst offen. Gewerkschaftsvertretern erklärten zwar, der Minister habe ihnen gegenüber in diesem Zusammenhang einen einprozentigen Anteil am Versorger GDF Suez ins Gespräch gebracht. Doch später ließ Montebourg erklären, für die Finanzierung der Rettung werde nicht über eine Veräußerung von GDF-Anteilen diskutiert.

Um den Erhalt der Produktionsstätte ist ein Streit zwischen der Regierung von Präsident Francois Hollande und dem in Luxemburg ansässigen Unternehmen Arcelor-Mittal entbrannt. Montebourg selbst hatte mit der Bemerkung für Unmut bei Arcelor-Mittal gesorgt, der Branchenprimus sei in Frankreich nicht mehr willkommen.

Er habe mangelnden Respekt gegenüber dem Land gezeigt, hatte Montebourg gesagt. Mittal hatte 2006 den einheimischen Stahlhersteller Arcelor übernommen und beschäftigt in ganz Frankreich rund 20.000 Arbeiter.

Das Gerangel um den Erhalt des Stahlwerks in Florange, in dem 600 Arbeiter tätig sind, ist zum Sinnbild von Präsident Hollandes Kampf gegen eine Entlassungswelle in der französischen Wirtschaft geworden. Hollande steht wegen der hohen Arbeitslosigkeit unter Druck. Im Wahlkampf hatte er die Anlage besucht, die in der an Deutschland grenzenden, traditionell von der Stahlindustrie geprägten Region Lorraine (Lothringen) liegt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Arcelor-Mittal: Frankreich findet offenbar Stahlwerk-Käufer"

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  • Vor einigen Tagen hatte der Verkäufer einen lothringischen Unternehmer in Sachen Stahl als Käufer abgelehnt. Freie Marktwirtschaft, da fliegt einem der Hut weg. Die frz. Regierung hat nun den Ball etwas flacher gehalten und Mittal einfach mal ihre Bedingungen klargemacht.

    Wo nationale Interessen tangiert werden, sollten Unternehmer, vor allen Dinge solche, die enorme Subventionen beim Kauf vor Jahren und nach Karenzzeiten verkaufen wollen, richtig in Deckung gehen. Ansonsten wäre hier über eine irgendwie aus dem Ruder gelaufene Korruption zu berichten.

    Die Arbeitsplatzvernichter, sie leben mitten unter uns. Erst wenn an deren Stuhl selbst gesägt wird, erkennen sie die komplette Tragweite ihres eigentlichen Handelns.

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