Energie

Arcelor-Mittal und Co.
Die Stahlhütten feiern ein Comeback

Nach einem tiefen Tal der Tränen läuft es bei den Stahlkonzernen wieder rund. Die Nachfrage aus der Autoindustrie und der Bauwirtschaft ist hoch, die Preise erholen sich. Schon tauchen die ersten Lieferengpässe auf.
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DüsseldorfWie schnell sich doch die Vorzeichen ändern: Vor einem Jahr noch sah sich die europäische Stahlindustrie kurz vor dem Abgrund stehen. Die Importoffensive der Konkurrenz aus China drückte die Preise ins Bodenlose, kaum eine Stahlhütte schrieb schwarze Zahlen. Doch binnen weniger Monate hat sich die Situation komplett gedreht: Anti-Dumping-Verfahren der EU-Kommission halten die Billig-Einfuhren aus Asien im Zaum, die gut laufende Konjunktur vor allem in der Auto- und Bauindustrie als größte Kundengruppen sorgen für eine hohe Auslastung der Hütten.

Die liegt mit rund 90 Prozent bei den deutschen Stahlproduzenten inzwischen an der Grenze des technisch Machbaren. Ein Rückschlag ist derzeit kaum in Sicht. „Wir bleiben optimistisch, was die weitere Erholung der Stahlnachfrage in Europa und Deutschland betrifft“, sagte denn auch am Dienstag Frank Schulz, Deutschland-Chef des weltgrößten Stahlproduzenten Arcelor-Mittal.

So hat der europäische Branchenverband Eurofer inzwischen seine Prognosen leicht nach oben korrigiert: Für die europäische Stahlindustrie wird im laufenden Jahr ein Plus von einem Prozent erwartet, 2018 sollen es 1,5 Prozent sein. Die deutschen Hersteller können sich dank der gut laufenden Binnenkonjunktur sogar Hoffnung auf einen Schlag obendrauf machen.

Inzwischen tauchen in einigen Nischenbereichen schon Lieferengpässe auf: Kunden müssen bei bestimmten Sorten feuerverzinkter Stähle länger warten und auch höhere Preise akzeptieren. „Es gibt temporäre Engpässe“, räumte auch Schulz ein, „das ist aber kein strukturelles Problem.“ Schon immer sei das zweite Quartal das umsatzstärkte der Branche mit vielen Arbeitszeiten und hoher Nachfrage, da könne es schon mal zu Lieferproblemen kommen.

Zumal wichtige Abnehmerbranchen ihre in den vergangenen Jahren stark abgebauten Lagerbestände wieder auffüllen und für zusätzliche Bestellungen sorgten. Wichtige Kunden wie die Stahlverarbeiter klagen inzwischen über einen „Stahlpreis-Schock“. Vor allem Mittelständler sehen sich durch den Kostenschub bedroht.

Die Stahlbranche sieht das naturgemäß ganz anders und verweist auf die nach wie vor niedrigen Margen. Zwar seien die Preise für viele Stahlsorten durchaus zweistellig in den vergangenen Monaten gestiegen – darin eingerechnet sind aber auch die gestiegenen Aufwendungen für Rohstoffe wie Kokskohle oder Eisenerz. „Wir haben bei der Marge zwar zugelegt, wir kommen aber auch von einem sehr niedrigen Niveau“, sagte Schulz. Das reiche nicht aus, um Investitionen zu bezahlen, Abschreibungen vorzunehmen und Schulden zu begleichen. „Davon ist die Stahlindustrie noch weit entfernt.“

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