Energie

Bergbau
Läuft Deutschland in die Rohstoff-Falle?

Ob Lithium, Kobalt oder Seltene Erden – ohne Rohstoffe geht bei Zukunftstechnologien nichts. Doch die deutsche Industrie bemüht sich kaum, den Nachschub abzusichern. Das könnte sich als teurer Fehler erweisen.
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TorontoEnergiewende und Elektromobilität sind zwei der ganz großen Zukunftsthemen für die deutsche Industrie. Für die Batterien, die die Elektroautos antreiben sollen, brauchen die Hersteller unter anderem Lithium und Kobalt. In Elektromotoren, Magneten und Speziallegierungen wiederum stecken Rohstoffe wie Indium und Seltene Erden. Aber wenn es um die Sicherung der Zufuhr solcher Rohstoffe aus dem Ausland geht, halten sich die deutschen Konzerne mit Investitionen auffällig zurück – obwohl Fachverbände und Politik appellieren, sich stärker zu engagieren. Ziehen die Preise an oder wird das Angebot knapp, dann läuft Deutschland Gefahr, dass die Rohstoffe fehlen oder nur zu hohen Kosten erhältlich sind.

„Die reibungslose Versorgung mit mineralischen Rohstoffen ist Voraussetzung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit unerlässlich für die Sicherung des Wohlstands“, heißt es dazu im jüngsten Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die deutsche Industrie hat vor Jahrzehnten die Rohstoffförderung im Ausland fast komplett aufgegeben und sich auf ihre Kernkompetenz konzentriert, die Herstellung von hochwertigen Produkten.

Der drohende Mangel vor allem der „strategischen“ oder „kritischen“ Rohstoffe für Zukunftstechnologien löste bereits vor einigen Jahren eine rege Debatte über Rohstoffsicherung aus. Bundesregierung und EU legten Rohstoffstrategien vor. Im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wurde 2010 die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) eingerichtet.

2012 gründete der BDI eine „Rohstoffallianz“ zahlreicher großer deutscher Industrieunternehmen. Über sie sollten sich die Unternehmen finanziell an der Entwicklung von Förderstätten im Ausland beteiligen, sei es durch Joint Ventures oder langfristige Abnahmegarantien. Allerdings konnten sich die beteiligten Firmen auf keine gemeinsame Vorgehensweise einigen, so dass die Allianz Ende 2015 ihre Arbeit einstellte.

Aber das Problem, der Mangel an eigenen Quellen für mineralische Rohstoffe und Metalle, besteht weiter. Volker Steinbach von der BGR wirbt dafür, dass die deutsche Wirtschaft auf mehr unterschiedliche Lieferanten setzt: „Mit Blick auf den steigenden Rohstoffbedarf, insbesondere bei Hightech-Rohstoffen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie zahlreicher Zukunftstechnologien, kann eine hohe Angebotskonzentration auf wenige Produktionsländer zu Liefer- und Preisrisiken führen.”

Die Fachvereinigung Auslandsbergbau (FAB) vertritt etwa 65 Unternehmen aus der Branche, von denen vor allem die Deutsche Rohstoff AG, Cronimet und Lanxess im Auslandsbergbau aktiv sind. Die Rohstoff AG ist an der US-Schiefergasproduktion beteiligt, Cronimet hat eine Kupfer-/Molybdän-Grube in Armenien und Lanxess betreibt eine Chromitgrube in Südafrika. Insgesamt sind jedoch nur wenige große deutsche Unternehmen, die Rohstoffe verbrauchen, in dem Verband organisiert. Aurubis etwa, der größte europäische Kupferverarbeiter, hat zwar keine eigene Rohstoffgewinnung im Ausland, sondiert aber über die FAB den Markt und ist an langfristigen Lieferverträgen interessiert.

„Wir sehen heute von deutschen Unternehmen, die Rohstoffe verbrauchen, leider nur wenig Engagement im Auslandsbergbau. Wir haben einen Tiefstpunkt erreicht“, sagt FAB-Geschäftsführer Martin Wedig. „Wir haben wenig Absicherungen beim Zugang zu Rohstoffen. Wenn sich die Preisspirale nach oben bewegt, wird es unsere Industrie hart treffen. Das gilt sowohl für Metallrohstoffe als auch für die so genannten kritischen Metalle, die für die Hightech-Industrie benötigt werden, zum Beispiel Indium, Gallium, Neodym und andere seltene Erden Metalle." Die FAB weise immer wieder darauf hin und die deutsche Industrie wisse um die Gefahren, „aber die Absicherungsmechanismen sind schwach".

Kommentare zu " Bergbau: Läuft Deutschland in die Rohstoff-Falle?"

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  • Diese Diskussion hatten wir schon mal in den Medien. Danach sind all die hohen Preise für "seltene" Rohstoffe in den Keller gefallen.

  • Warum sollte die Deutsche Industrie die Rohstoffe absichern, wenn die Deutsche Industrie heut zu Tage nicht mehr auf Deutschland als Produktions-Forschung-und Wissenschaftsstandort angewiesen ist und sich ganz und gar den Globalisierungseliten unterworfen hat bzw. das Global Establishment darstellt.
    Die Deutsche Industrie ist schon lange nicht mehr Deutsch sondern eine Globale Eltien - Establishment Fraktion, die Deutschland nur noch im Namen aber nicht mehr im Herzen trägt.
    Das Deutsche Volk muss sich eine neue Industrie aufbauen. Eine Industrie für Deutschland und nicht für Globalisierungseliten. Trump und seine Wähler haben dies für die USA bereits erkannt und setzen dies jetzt auch Schritt für Schritt mit dem Slogan "American first" und "Great again" um.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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