Energie

Energiekonzern
RWE schaltet Kraftwerke ab

Der Stromriesen RWE leidet unter den gefallenen Großhandelspreisen und Abschreibungen auf niederländische Kraftwerke. Unterm Strich steht ein heftiger Gewinneinbruch. Die Essener schalten nun unrentable Kraftwerke ab.
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DüsseldorfDer Energiekonzern RWE hat nur dank Sondereffekten seinen Betriebsgewinn im ersten Halbjahr gesteigert und schaltet nun eine Reihe unrentabler Kraftwerke ab. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei von Januar bis Ende Juni um 9,1 Prozent auf 5,498 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Versorger am Mittwoch mit.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Ebitda von 5,537 Milliarden Euro gerechnet. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis stieg um 19 Prozent auf rund 2 Mrd. Euro.

Die Steigerungen im Ergebnis waren vor allem dem positiven Ausgang des Streits mit dem russischen Gaslieferanten Gazprom zurückzuführen. Anfang Juli hatte ein Schiedsgericht RWE in einem jahrelang währenden Streit weitgehend Recht gegeben. Gazprom hatte seine Preise starr an den Ölpreis gekoppelt, das Gericht löste diese Bindung. Gazprom muss dem Essener Energieversorger nun Rückzahlungen leisten. Damit hatte RWE bereits gerechnet, das Geld war mit in die Prognose einbezogen worden.

Doch diesen Sondereffekt außer Acht gelassen, werden die Probleme von RWE deutlich. Die Sondereinflüsse rausberechnet sank das Nettoergebnis um fast 40 Prozent auf 979 Millionen Euro ab. Das Kerngeschäft von RWE, der Unternehmensbereich Konventionelle Stromerzeugung büßte im ersten Halbjahr 2013 fast zwei Drittel seines operativen Ergebnisses ein.

Dem Konzern machten im Erzeugungsgeschäft die stark gefallenen Großhandelspreise zu schaffen. Daher nehme RWE in Deutschland und den Niederlanden Kraftwerke mit einer Leistung von 3100 Megawatt aus dem Markt. „Weitere Kraftwerke sind auf dem Prüfstand; hier werden sämtliche Optionen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ausgelotet“, erklärte der Versorger.

Auch Konkurrent Eon hat große Probleme im Bereich konventionelle Erzeugung. Allein im abgelaufenen Halbjahr ging der Umsatz in diesem Bereich von 6,2 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) in diesem Bereich schrumpfte von 1,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 915 Millionen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.

Bei RWE belasteten das Geschäft zusätzlich noch Abschreibungen auf die niederländischen Kraftwerke von rund 800 Millionen Euro. Wie gestern bekannt wurde, will der Essener Energiekonzern auf Grund der schlechten Ertragslage sein laufendes Sparprogramm drastisch verschärfen. Nach Informationen des Handelsblatts will Unternehmenschef Peter Terium die jährlichen Kosten nun um zwei Milliarden Euro senken. Das wäre doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

An der im März dieses Jahres gegeben Prognose hielt RWE fest. Demnach erwartet das Unternehmen ein betriebliches Ergebnis in der Größenordnung von 5,9 Mrd. Euro und ein nachhaltiges Nettoergebnis in der Größenordnung von 2,4 Mrd. Euro.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Nur selber machen, macht unabhängig.

  • RWE will Gaskraftwerke stillegen
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    "Vor allem Gaskraftwerke will RWE nun abschalten. Ihre Auslastung lag nach Konzernangaben zuletzt teilweise unter 10 Prozent. Insgesamt soll Leistung von 3,1 Gigawatt vom Netz gehen. Wegen der weiter sinkenden Strompreise stünden inzwischen auch Braunkohlekraftwerke auf dem Prüfstand, sagte Finanzvorstand Günther."

    Das kann/darf doch nicht sein. Was ist denn, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Sitzen wir dann im dunkeln oder liefern uns dann "die freundlichen AKWs" aus Tschechien und Frankreich ihren Atomstrom. Und was ist im Winter? Kommt es dann zu Blackouts? Zur Zeit verschenken wir unsere Überschüsse ans Ausland oder zahlen noch dafür, daß sie ihn uns "gnädigerweise" abnehmen.
    Und was sagt die "Ökomafia" dazu?

    Ohne die EEG-Zwangsabgabe wäre der PV-Wahn und die Windmühlen nicht überlebensfähig. Ihr "Geschäftsmodell" bezieht sich auf ewige Subventionen. Bleiben diese aus oder werden zurückgefahren, sind sie sofort pleite. Das kann man derzeit sehr gut bei der Solarbrache bewundern.

  • @ tDcI

    Unabhängig wird man nicht dadurch, das man an Altem festhält wenn man merkt, das dies ein Dauerzuschussgeschäft bzw. eine Sackgasse ist. Dieses Geld in die Erforschung von zukunftsträchtigen, von Bodenschätzen unabhängigen Energien gesteckt, und schon wären wir wesentlich weiter als jetzt. z.B in die Erfoschung von Energiespeichern oder auch in die Erforschung der Kernfusion. Auch in die Erforschung besserer Technologien zur Energieverbrauchssenkung. Der Anteil der Steinkohle liegt eh nur bei 12% (2011) im Energiemix. Abhängig sind wir von Öl (34%) und Gas (20%) und da haben wir ja nun mal fast gar nichts selbst. Dagegen ist der Steinkohleanteil ja wohl fast vernachlässigbar und würde durch effizientere Nutzung der überschüssigen Energien (Speicherung) noch weiter reduziert werden können.

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