Energie

Energieversorger
Probleme für Eon in Brasilien reißen nicht ab

Schon wieder ein Dämpfer für das Brasilien-Engagement von Eon. Eigentlich wollte der Konzern für das Auslandsprojekt Geld am Kapitalmarkt einsammeln. Nun schießt der Energiekonzern selber Geld nach.
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Düsseldorf Eon-Chef Johannes Teyssen hat kein Glück im Ausland. Erst begehrt wenige Monate nach dem Einstieg des Energieversorgers in der Türkei das Volk gegen die Regierung auf, und nun reißen auch in Brasilien die Probleme nicht ab. Wegen des deutlich verschlechterten Marktumfeldes werde die angekündigte Kapitalerhöhung beim brasilianischen Energieversorger MPX nicht über den Markt abgewickelt, sondern laufe mit verringertem Volumen über private Investoren, teilte Eon am Donnerstag mit.

Für 1,1 Milliarden Euro hatte der Konzern 36 Prozent an MPX erworben und ist inzwischen gleichberechtigter Partner. Die Kapitalerhöhung, an der sich das Düsseldorfer Unternehmen mit 100 Millionen Euro beteiligen wird, soll innerhalb der nächsten 40 Tage durchgeführt werden. Der Rest der insgesamt angepeilten 273 Millionen Euro soll von der brasilianischen Bank BTG kommen, die staatliche Entwicklungsbank prüft noch eine Beteiligung.

Außerdem lege der Chef und MPX-Eigner, der derzeit ebenfalls glücklose Milliardär Eike Batista, seine Ämter als Chairman und Mitglied des Board von MPX nieder. Chairman werde für eine Übergangszeit das Eon-Vorstandsmitglied Jørgen Kildahl. Das Unternehmen werde außerdem einen neuen Namen bekommen.

Es ist ein weiterer Schlag für das Brasilien-Projekt von Eon-Chef Teyssen, das von den Anlegern ohnehin äußerst kritisch betrachtet wird – nicht nur auf Grund der unsicheren politischen Situation im Land. Gemeinsam wollen MPX und Eon in den nächsten sieben Jahren Kraftwerke und Windparks mit einer Leistung von rund zehn Gigawatt Leistung bauen – das entspricht rund 15 großen Kraftwerken.

Der brasilianische Partner Batista sorgte in den vergangenen Monaten wegen finanzieller Probleme oft für negative Schlagzeilen. Wie der „Economist“ schreibt, sucht er derzeit auch einen Käufer für einen Teil des brasilianischen Minen-Unternehmens MMX und erwäge sogar einen Komplettverkauf.

Der Vorstoß in der Türkei und in Brasilien ist Teil der Internationalisierungs-Strategie von Eon. Wegen der Umstellung der deutschen Energieproduktion auf erneuerbare Energien haben die großen Energieversorger Eon, RWE und EnBW massive Probleme in ihrem Heimatland. Als Konsequenz will Teyssen das schwierige Geschäft in Deutschland reduzieren. „Unseren Marktanteil in Deutschland werden wir nicht halten können“, sagte er Ende April. „Wachsen wird dafür das Geschäft im Ausland“.

Erst vor wenigen Monaten hatte Eon den Zuschlag für den Vertrieb in Istanbul und in der Region Adana in der Türkei bekommen, die zweite wichtige Expansions-Region für den Energieversorger. „Auf einen Schlag“ habe das Unternehmen so „sechs Millionen neue Kunden und insgesamt neun Millionen türkische Kunden“ gewonnen, sagte Teyssen. „Mehr als wir nach Jahrzehnten in Deutschland haben.“

Im Vergleich zu Brasilien hat Eon in der Türkei mit der Unternehmensgruppe Sabanci einen solideren Partner, auch die Anleger sehen diese Investition wohlwollender.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Sehe ich mir den Aktienkurs von E.ON an, dann kann ich nur sagen, Teyssen ist ein völliger Versager als Vorstandsvorsitzender. Wenn sein Einkommen nach seiner Leistung bezahlt werden würde, dann müßte er noch Geld mitbringen und nicht über 5 Millionen bekommen.
    Der erzwungene Ausstieg ist nicht allein der grund für den Niedergang des Aktienkurses, sondern die mangelnde Weitsicht für die sich lange abzeichnende energiewende.
    Ein Jurist bleibt eben ein Jurist.

  • Man mag zu den Energiekonzernen stehen wie man will - der größte Kostentreiber ist die nationale und die EU-Politik. Der Abwicklungsaufwand für Energielieferungen hat sich nach der Umsetzung der pol. Vorgaben vervielfacht - bezahlt wird das vom Kunden - von wem sonst ? Wer glaubt denn noch, dass Wettbewerb dem Endkunden zugute kommt ?
    Zu Sieg-Fried kann man nur sagen, er hat es garnicht verstanden. Was glaubt er, wo das Gas herkommt ? Immernoch zum größten Teil aus Russland, ob auf Basis lang- oder kurzfristuiger Verträge. Und die Preise machen die wenigen Produzenten Exxon, Shell, Gazprom,... - und nicht irgendwelche Händler.
    Ein Punkt bleibt übrigens völlig auf der Strecke und wird uns als 'kleines Fukushima' irgendwann auf die Füsse fallen - und dann geht's, wie immer, wieder zurück.
    Derzeit denken die Gashändler darüber nach sich aus dem Speichergeschäft zurückzuziehen. Klar, ist teuer und welches Interesse haben die Händler an Versorgungssicherheit - sie wollen Geld verdienen.
    Wenn dann ein Wintersturm die norwegische Offshore-Produktion lahmlegt und die Preise an den Gashubs sich vervielfachen, möchte ich Sieg-Fried nochmal hören - von wegen langfristig ist 'Mist'.

  • Die nächste Strompreiserhöhung steht vor der Tür: Teyssen braucht Geld. Verkaufen wird er's als EEG-Effekt...

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